Summa

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Summa (lat.) oder dt. Summe bezeichnet im Schulvokabular des 12. Jahrhunderts, in dem es geprägt wurde, zunächst eine kurze, synthetische, vollständige Sammlung von "Sentenzen", in denen man die Wahrheiten der christlichen Lehre (oder der Gesamtheit irgendeiner anderen Lehre) niederlegen wollte.[1] Ihre Blütezeit erlebte die Summa im Mittelalter, insbesondere vom 12. bis zum 14. Jahrhundert. Sie darf als eine paradigmatische Manifestation der Scholastik gelten.[2]

Inhaltsverzeichnis

Entstehung und Bedeutung

Die berühmte, lange Zeit Hugo von St. Viktor zugeschriebene Sammlung, die wohl ein Prototyp dieser Gattung ist, nennt sich genau Summa sententiarum (Anfang des zweiten Drittels des 12. Jahrhunderts). Es ist nicht mehr eine einfache Kompilation aus Zeugnissen der Väter und der alten Schriftsteller, sondern eine organische und durchgearbeitete Sammlung, wenn auch noch eng an die Texte gebunden, die sie zusammen ordnet. Honorius von Autun schreibt seine Zusammenfassung der christlichen Geschichte und gibt ihr den Titel Summa. Abaelard hatte von dem apostolischen Symbolum gesagt, dass es eine summa fidei enthalte, also die wesentlichen Glaubenswahrheiten. Und in seiner Introductio ad theologiam (Einführung in die Theologie) organisiert er seinen Gegenstand um die drei Grundsachverhalte, die ihm das Wesentliche der Heilslehre darzustellen scheinen. Summa ist in diesem Sinn über die älteren Sententiae und Florilegia hinaus die Eigenbezeichnung für die Hauptwerke des 12. Jahrhunderts.

Aber die Arbeit der Theologen ging weiter, und die wachsende Selbständigkeit, die ein berufsmäßig betriebener Unterricht in den Schulen und bald in den Universitäten gegenüber den pastoralen, spirituellen und moraltheologischen Bestrebungen errungen hatte, förderte sowohl das Bedürfnis nach Systematisierung wie das Bemühen um Verbegrifflichung. Die Theologie zielte darauf ab, ihr Objekt, ihre Objekte zu organisieren und somit nach architektonischen Prinzipien zu konstruieren, die aus den rationalen Strukturen des Geistes abgeleitet waren, der sich unter dem Licht des Glaubens betätigt. Der Ausdruck summa gewann somit ein neues Spannungsgefälle. Oder vielmehr der Aspekt der Synthese erlangte in dem, was er bezeichnete, das Übergewicht, so daß im 13. Jahrhundert, wenn man auch die unausbleiblichen Schwankungen einer solchen Entwicklung berücksichtigen muss, summa ein Werk bezeichnet, das zu einem dreifachen Zweck geschrieben wurde: auf knappe, abgekürzte Weise die Gesamtheit eines bestimmten wissenschaftlichen Gebietes zur Darstellung bringen (das ist der ursprüngliche Sinn); zweitens: über eine zerlegende Analyse hinaus die Gegenstände synthetisch ordnen; und schließlich: dieses Vorhaben in einer solchen Weise verwirklichen, dass das Werk pädagogisch auf den Studenten zugeschnitten ist. Die Gestaltung der Summen im 13. Jahrhundert illustriert hinreichend dass große Problem, die Heilsgeschichte in eine organisierte Wissenschaft überzuführen.[3]

Was eine "Summa" darstellt als charakteristische literarische Form eines Denkens und einer Epoche, vergegenwärtige man sich die anderen Formen des philosophischen oder religiösen Denkens im Laufe der Geschichte: die sokratischen "Dialoge" Platons, die "Bekenntnisse" des heiligen Augustinus, die "Meditationen" des Descartes, die "Gedanken" Pascals, die "Traktate" des 18. und 19. Jahrhunderts, das "Tagebuch" von Biran und Gabriel Marcel. Jede dieser Gattungen fordert ihre Methode der Findung und des Verstehens. Die Unterschiede im Ausdruck sind nur die Auswirkung viel tieferer geistiger Unterschiede.[4]

Beispiele von Summen

Literatur

Anmerkungen

  1. Marie-Dominique Chenu: Das Werk des Hl. Thomas von Aquin, 2. Ergänzungsband von: Die deutsche Thomas-Ausgabe der Summa theologica, Gemeinschaftsverlag Kerle Heidelberg und Styria Verlag Graz-Wien-Köln 1960, 11. Kapitel: S. 334 (1. Auflage; 451 Seiten; mit Druckerlaubnis des bischöflichen Seckauer OrdinariatesGraz vom 6. Februar 1960, Zl, 452.
  2. Ruedi Imbach in: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Auflage Sonderauflage 2009, Band 9, Artikel: Summa, Sp. 1112.
  3. Marie-Dominique Chenu: Das Werk des Hl. Thomas von Aquin, S. 336-338+340.
  4. Marie-Dominique Chenu: Das Werk des Hl. Thomas von Aquin, S. 361.
  5. www-app.uni-regensburg.de, abgerufen am 5. Februar 2019
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