Rainer Woelki

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Erzbischof Rainer Maria Woelki (2019)

Rainer Maria Kardinal Woelki (Dr. theol.; *18. August 1956 in Köln) ist Erzbischof des Erzbistums Köln und Kardinal der Hl. Römischen Kirche.

Biografie

Rainer Maria Woelki studierte nach dem Abitur am Hölderlin-Gymnasium in Köln-Mülheim von 1978 bis 1983 in Bonn und Freiburg und empfing am 14. Juni 1985 die Priesterweihe in Köln. Anschließend war er bis 1989 Kaplan an St. Marien in Neuss und übernahm bis 1997 verschiedene seelsorgliche Aufgaben, unter anderem als Sekretär von Erzbischof Joachim Kardinal Meisner. Im Jahr 2000 wurde er an der Päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz (Università Pontificia della Santa Croce) in Rom mit einer Dissertation zum Thema "Die Pfarrei – ein Beitrag zu ihrer ekklesiologischen Ortsbestimmung" zum Doktor der Theologie promoviert. Von 1997 bis 2003 war er Direktor des Theologenkonviktes Collegium Albertinum in Bonn.

Weihbischof in Köln

Durch Papst Johannes Paul II. wurde er am 24. Februar 2003 zum Weihbischof und Titularbischof von Scampa ernannt. Am 30. März 2003 erfolgte die Bischofsweihe durch Joachim Kardinal Meisner. Sein bischöflicher Wahlspruch lautet Nos sumus testes (dt. "Wir sind Zeugen", {{#ifeq: Apostelgeschichte | Rainer Woelki |{{#if: Apg|Apg|Apostelgeschichte}}|{{#if: Apg |Apg|Apostelgeschichte}}}} 5{{#if:32|,32}} EU | BHS =bibelwissenschaft.de">EU | #default =bibleserver.com">EU }}). Er ist Mitglied der Kommissionen IV "Geistliche Berufe und kirchliche Dienste" und XIV "Kommission für Migrationsfragen" der Deutschen Bischofskonferenz. Als Bischofsvikar war er im Erzbistum Köln für den Pastoralbezirk Ost, für Fragen der Glaubenslehre und Ökumene sowie ab 2005 für den Ständigen Diakonat zuständig. 2003 wurde er zum residierenden Domkapitular gewählt.

Erzbischof von Berlin und Kardinal

Papst Benedikt XVI. ernannte ihn am 2. Juli 2011 zum Erzbischof von Berlin. Am 16. August hat Erzbischof Woelki als erster Erzbischof von Berlin vor dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit den nach dem Konkordat von 1933 vorgesehenen Treueeid abgelegt.<ref>Vgl. Designierter Erzbischof legt Treueeid ab kath.net, katholische Nachrichten, 15. August 2011</ref>. Erzbischof Rainer Maria Woelki wurde am 27. August als Erzbischof von Berlin eingeführt.<ref>Vgl. Woelki bei Amtseinführung: Christ sein heißt 'Zeuge sein' kath.net, katholische Nachrichten, 27. August 2011</ref> Bereits kurz darauf konnte Woelki Benedikt XVI. bei seinem 3. Deutschlandbesuch im September 2011 im Berliner Olympiastadion begrüßen.

Am 18. Februar 2012 kreierte Papst Benedikt XVI. Erzbischof Woelki im feierlichen Konsistorium zum Kardinalpriester mit der Titelkirche San Giovanni Maria Vianney und nahm ihn mit 21 weiteren Geistlichen - darunter Pater Karl Josef Becker SJ - in das Kardinalskollegium auf. Rainer Maria Woelki war 2012 der mit 55 Jahren weltweit jüngste Kardinal. Am 29. Juni 2012 erhielt der Kardinal von Benedikt XVI. im Petersdom zu Rom das erzbischöfliche Pallium.

Am 1. Mai 2014 fordert Kardinal Woelki bei der Eröffnung der Wallfahrtssaison 2014 in Kevelaer die aktive Teilnahme an der "lebendigen Kirche" <ref>Woelki: Sich immer wieder neu in die lebendige Kirche einfügen kath.net, katholische Nachrichten, 2. Mai 2014</ref>.

Am 11. Juli 2014 gab der Vatikan die Ernennung Woelkis zum Erzbischof von Köln bekannt. Er wurde am 7. September 2014 in Berlin feierlich verabschiedet.

Erzbischof von Köln

In einem feierlichen Pontifikalamt im Kölner Dom wurde Kardinal Woelki am 20. September 2014 als Erzbischof von Köln eingeführt. Er wird damit der 94. Nachfolger des Heiligen Maternus auf dem Kölner Bischofsstuhl.

Am 21. September 2016 wurde er in der Deutschen Bischofskonferenz als stellvertretender Vorsitzender der Kommission für Geistliche Berufe bestätigt.<ref>Deutsche Bischofskonferenz ordnet Zuständigkeiten neu Kath.net am 22 September 2016.</ref> Seit Februar 2018 ist er Vorsitzender der Kommission für Wissenschaft und Kultur.<ref>dbk.de, 21. Februar 2018</ref>

Papst Franziskus hat Kardinal Rainer Maria Woelki im Oktober 2016 für fünf Jahre in die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung berufen.<ref>Woelki in päpstliche Kongregation berufen Katholisch.de am 26. Oktober 2016</ref>

Auszeichnungen

Vertrauenskrise

Im Zusammenhang mit der Aufarbeitung von Fällen sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Köln entstand infolge von Fehlern Woelkis nach 2018 eine Vertrauenskrise im Erzbistum.<ref>[url=https://www.aachener-zeitung.de/nrw-region/bistum-glaube/glaeubige-rebellieren-gegen-kardinal-woelki_aid-55958005 Gläubige rebellieren gegen Kardinal Woelki] aachener-zeitung.de, 29. Januar 2021.</ref> Dies bestätigte eine von Papst Franziskus angeordnete Visitation.<ref>[url=https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse_2021/Mitteilung-des-Heiligen-Stuhls-24.09.2021.pdf Mitteilung des Heiligen Stuhls], dbk.de, 24. September 2021.</ref> Visitatoren waren der Rotterdamer Bischof Hans van den Hende (auch Vorsitzender der Niederländischen Bischofskonferenz) und den Erzbischof von Stockholm, Anders Arborelius. Sie sprachen im Auftrag des Papstes mit mehreren Dutzend Menschen, um sich einen Eindruck von der seelsorglichen Lage im Erzbistum Köln und vom Umgangs mit Fällen sexueller Gewalt zu machen.<ref>Daniel Deckers: Papst lässt Frist für Amtsverzicht von Erzbischof Heße verstreichen. faz.net, 15. Juni 2021.</ref>

Am 24. September 2021 wurde bekannt, dass Papst Franziskus Erzbischof Woelki im Amt belässt; Woelki soll jedoch eine mehrmonatige „Bedenkzeit“ – eine „geistliche Auszeit“ – nehmen.<ref>Pontifex soll Kölner Erzbischof Bedenkzeit von mehreren Monaten verordnen – Medienberichte: Papst Franziskus belässt Kardinal Woelki im Amt. katholisch.de, 24. September 2021.</ref> Nach Würdigung des Berichts der Visitatoren habe sich kein Hinweis ergeben, dass Woelki im Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs rechtswidrig gehandelt habe, und er lasse bei der Aufarbeitung der Missbrauchsverbrechen, seiner Zuwendung zu Betroffenen und der Prävention Entschlossenheit erkennen. Jedoch habe er insbesondere in der Kommunikation „auch große Fehler gemacht“, die „wesentlich dazu beigetragen“ hätten, „dass es im Erzbistum zu einer Vertrauenskrise gekommen ist, die viele Gläubige verstört“.

Für die Zeit der „geistlichen Auszeit“ Woelkis vom 12. Oktober 2021 bis zum 1. März 2022 leitete Weihbischof Rolf Steinhäuser als Apostolischer Administrator sede plena das Erzbistum Köln, das Amt des Generalvikars ruhte in dieser Zeit. Woelki kündigte an, er werde in der Auszeit zunächst 30-tägige Exerzitien machen, sich dann in Nachbarländern über deren Wege der Seelsorge informieren und sich für soziale Projekte einsetzen.

Woelki trat am Aschermittwoch, dem 2. März 2022 seinen Dienst als Erzbischof wieder an. In einem Hirtenbrief sprach er von einem „stillen Beginn“; die Auszeit habe ihm einen neuen Blick ermöglicht auf die Situation im Erzbistum Köln, auf sein eigenes und auf fremdes Handeln, bezogen auf Beteiligung und Leitung, Möglichkeiten der pastoralen Entwicklung, notwendige Reformen in der Kirche bis hin zu systemischen Veränderungen, welche die Realitäten von sexuellem, geistlichem und strukturellem Missbrauch auch ihm aufgäben. Richtungsweisend sei für ihn dabei „die Perspektive der von Missbrauch Betroffenen“ und das, was sie erlebt und erlitten hätten, als „Kompass für mein Nachdenken und Handeln“. Er werde in der kommenden Zeit die Begegnung mit möglichst vielen Menschen im Erzbistum suchen. Woelki teilte mit, dass er inzwischen Papst Franziskus sein Amt zur Verfügung gestellt habe. Das Erzbistum erklärte dazu, dass der Papst zu gegebener Zeit über das Rücktrittsangebot entscheiden werde und zunächst angeordnet habe, dass Kardinal Woelki wie vorgesehen seinen Dienst wieder aufnimmt.<ref>Kardinal Woelki bietet Amtsverzicht an.] katholisch.de, 2. März 2022.</ref><ref>Rainer Maria Woelki: Hirtenbrief Aschermittwoch 2022, 2. März 2022.</ref>

Im Erzbistum wurde von verschiedener Seite auf eine verbreitet festzustellende Zerrüttung des Verhältnisses zwischen dem Erzbischof und Gläubigen wie Seelsorgern hingewiesen. Tim Kurzbach, Vorsitzender des Diözesanrates, bemerkte, Woelkis Hirtenbrief benenne „kein einziges konkretes eigenes Versagen, keinen einzigen konkreten eigenen Fehler, keine einzige wirkliche Schuld“ des Kardinals. Ein Mitglied des Diözesanpastoralrats im Erzbistum Köln verteidigte Kardinal Woelki gegen harte oder hasserfüllte Angriffe und sagte, seinem Eindruck nach suche der Erzbischof das Gespräch und sei bemüht, Polarisierungen aufzulösen.<ref>Diözesanpastoralrat-Mitglied verteidigt Kardinal Woelki gegen Angriffe. katholisch.de, 11. März 2022.</ref>

  • Peter Henselder, Missbrauchsbetroffener und Mitglied im Betroffenenbeirat des Erzbistums Köln und Fernsehprojektleiter von „For Disabled People TV Berlin“ gegenüber der Tagespost (23.09.2021): „Kardinal Woelki hat die Aufarbeitung (des sexuellen Missbrauchs in der Kirche) soweit betrieben wie kein anderes Bistum, ist eigentlich der Aufklärer schlechthin… kein anderes Bistum hat das bisher gemacht. Nach der Veröffentlichung (Gercke-Gutachten) habe der Beirat Forderungen gestellt, die berücksichtigt worden seien und Zug um Zug umgesetzt würden“.<ref>Es geht nicht um sexuellen Missbrauch, eine 'andere Kirche' ist das Ziel! Kath.net am 5. Oktober 2021</ref>

Positionen

Friedensethik

Im November 2023 erklärte Woelki bei einer Ansprache in Mainz, er habe hohen Respekt vor einem gemäßigten Pazifismus, der nicht den unbedingten einseitigen Gewaltverzicht fordere. Im Falle einer kriegerischen Aggression sei ein solcher Gewaltverzicht nicht vertretbar. Das „pragmatisch geduldete Übel der Notwehrgewalt“ sei unter strengsten Voraussetzungen christlich legitimiert; sie könne und solle „als Ultima Ratio den Weg zum Frieden ebnen“ und bewahre vor ungezügelter Barbarei. Ein gemäßigter Pazifismus bewahre vor Kriegstreiberei, und es sei notwendig, durch gewaltlosen Widerstand oder weltweite friedensethische Bildung „heute schon den noch langen Weg zu einer gewaltfreien Welt zu bereiten“.<ref>Woelki: Notwehrgewalt ist im Angriffsfall christlich legitimierbar, katholisch.de, 16. November 2023</ref>

Literatur

Weblinks

Vorgänger
Georg Kardinal Sterzinsky
‡ Erzbischof von Berlin
2011-2014
Nachfolger
Heiner Koch
Vorgänger
Joachim Kardinal Meisner
‡ Erzbischof von Köln
seit 2014
Nachfolger
---

Anmerkungen

<references />