Welt

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Die Welt ist, christlich verstanden, was nicht Gott ist. Die Welt ist die Schöpfung, auch die unsichtbare, das Universum, die Erde, letztlich die Lebenswelt der Menschen, wie sie sich der menschlichen Beobachtung zu allen Zeiten darbietet.

Der allgemeine Konsens aller Erfahrung bezeichnet diese Welt als flüchtig, als vergänglich, im Angesicht des Todes. Mithin ist das Verhalten der Menschen ihrer Welt gegenüber maßgeblich davon bestimmt, welche Antwort sie auf diese Überlebensfrage geben, die im Wesentlichen identisch ist mit der brennenden Frage nach dem möglichen Sieg des Bösen.

Wesentliche Optionen waren hier stets die Weltflucht einerseits, die Weltliebe andererseits. Beide typischen Verhaltensweisen begegnen uns in allen Kulturen in verschiedener Weise. Aus der Sicht des Evangeliums ist ein bestimmter Typ der Weltflucht gutgeheißen, wie andreseits auch ein bestimmter Typ der Liebe zur Welt. In dieser Ambivalenz bewährt sich die christliche Existenz, die ihrer ewigen Bestimmung entgegeneilt (vgl. Eschatologie).

Die ursprünglich und eigentümlich christliche Unterscheidung zwischen Gott und Welt hat einerseits einen anthropologisch fassbaren Ursprung in der Religion des Judentums, welche die christliche Offenbarung andererseits als wesentliche Entwicklung der Heilsgeschichte anerkennt.

Das einzig relevante Gegenmodell kann (verkürzt) unter dem Oberbegriff des Pantheismus zusammengefasst werden, in dessen vielgestaltigen Erscheinungsformen stets Welt und Gottesbegriff zu einer unauflöslichen Einheit zusammengefügt werden. Aus christlicher Erkenntnis ist aber festzuhalten, dass diese abweichende Auffassung nicht imstande ist, eine plausible Ansicht von der Ewigkeit zu vermitteln aber auch keinen zuverlässigen Sinn für die Zeit und die Geschichte stiftet.

Aus dem Übergewicht (nach diesem im weitesten Sinn pantheistischen Vorurteil verfasster) moderner Philosophie, innerhalb der gegenwärtigen Kultur, ergibt sich, dass seitens der Theologie verschiedene Versuche unternommen wurden, die Religion auf einem modernen Begriff von Welt abzustützen. Legitim ist ein solches Unterfangen, aus Sicht der Lehre der Kirche, aber nur dann, wenn das Ergebnis dieser Bemühungen (wieder) zu einer klaren Unterscheidung von Gott und Welt verhilft, ohne die jede Erkenntnis unter Betrugsverdacht stehen muss.

Die Welt von heute

In einem engeren Sinn wurde, angestoßen durch das Konzilsdokument Gaudium et spes von 1965, die Redeweise von der Welt von heute, insbesondere während einer Phase, die oft als nachkonziliare Krise bezeichnet wurde, als quasi normative Geschäftsgrundlage für Kirche und Christentum angesehen.

Im Abstand von über 40 Jahren verbreitet sich jedoch mehr und mehr die Einsicht, dass die jeweilige Gegenwart nicht aus sich zur faktischen Norm von Theologie und Verkündigung aufgewertet werden kann. Es muss mithin mit diesem Begriff etwas anderes gemeint gewesen sein, nämlich eine fundamentale, deshalb relevante Veränderung in der conditio humana, in der Befindlichkeit des Menschen. Mehrere Faktoren bekräftigen diese Überzeugung. Beispielsweise:

Die heutige Zivilisation unterscheidet sich von allen vergangenen Zeitaltern dadurch, dass der Menschheit die Fähigkeit zugewachsen ist, ihre Existenz in der Gesamtheit zu vernichten (Stichwort: Hiroshima) oder soweit zu verändern, dass sie mit allen vorherigen Generationen nicht mehr identisch sein könnte (Eingriffe in die Weitergabe des Lebens, Genmanipulation). Diese Krise des Humanismus kann im humanistischen Atheismus keine hinreichende Antwort mehr finden.

Die heutige Kultur ist gekennzeichnet durch einen im Wesentlichen nicht mehr rückgängig zu machenden Pluralismus der Zivilisationen, unter dem aber z.B. der Islam heftiger leidet als das Christentum. Möglicherweise ist der Katholizismus die einzige gottesfürchtige Religion, die, angesichts seiner unverkürzten Auffassung von der Realpräsenz der Erlösung in der Zeit, überhaupt imstande ist, nicht nur unbeschädigt, sondern sogar bereichert aus dieser neuen Lage hervorzugehen.

Schließlich hat die demokratische Gesellschaftsordnung, wenngleich in weiten Teilen der Welt noch durch autoritäre Herrschaftsformen gebremst, eine neue Klärung des Verhältnisses von Staat und Kirche erzwungen. Jede Form von Staatskirchentum ist seither obsolet. Doch auch dieser Umbruch lässt für die Papstkirche hoffen, die auf keinen Polizeistaat angewiesen ist, um die Wahrheit des Evangeliums zu behaupten. Denn die katholische Gesellschaftslehre sieht die Zuständigkeit der Kirche nur mit einem geistlichen Vorrang gegenüber der Politik ausgestattet, aber mit einem unveräußerlichen Vorrang. Mithin hat dort, wo die Freiheit der Kirche gewahrt ist, auch kein totalitäres Terrorregime eine Chance, den Menschen von seinem ewigen Ziel fernzuhalten.

Literatur

  • 7. Dezember 1965 Pastorale Konstitution „Gaudium et spes“ über die Kirche in der Welt von heute.
  • 8. Dezember 1975 Nachsynodales Apostolisches Mahnschreiben „Evangelii nuntiandi“ zur III. ordentlichen Generalversammlung der Weltbischofssynode vom 27.9.-26.10.1974 über die Evangelisation in der Welt von heute.
  • André Frossard: Il y a un autre monde (1976), dt.: Es gibt eine andere Welt (1976) ISBN 3-451-17798-6; Media Maria Verlag 2015 (144 Seiten).

Weblinks