Tiara

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Papst Pius XII. während der Krönungsfeier 1939 mit Tiara und der Sedia gestatoria
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Tiara Pius IX..JPG
Tiara Pius XI..JPG
Tiara der Petrusstatue im Petersdom
Tiara mit Schlüsseln.jpg
Grabmal Benedikt XII., Avignon

Die Tiara (Papstkrone) ist im 2. Jahrtausend n. Chr. die außerliturgische Kopfbedeckung des Papstes gewesen, dient aber als "Krone Petri" weiterhin als heraldische Kennzeichnung des Heiligen Stuhls bzw. auch des Vatikanstaats.

Das Wort Tiara könnte zeitweilig Oberbegriff für die spezielle Mitra des Papstes gewesen sein, noch bevor sich diese Bezeichnung für die dreifache Krone des Papst-Monarchen im Kirchenstaat durchsetzte. Das Wort Tiara erscheint vergleichsweise spät, um 1099 bei Papst Paschalis II. Es bezeichnete sprachlich eigentlich die hohepriesterliche Kopfbedeckung, so wie Hieronymus in der Vulgata sie bei Aaron, dem ersten Hohepriester, benannt hat. Das Wort weist so also in das Alte Testament und das Volk Israel zurück.

Es war bis 1963 Brauch, dass die Päpste am Ende der Heiligen Messe, mit der sie das Petrusamt offiziell antraten, feierlich gekrönt wurden. Trotzdem wird jährlich am 29. Juni, Fest der Apostel Petrus und Paulus, die Statue des hl. Petrus in der Petersbasilka weiterhin mit einer ihr vorbehaltenen Tiara gekrönt.

Inhaltsverzeichnis

Bedeutungen

Die Krone des Pontifex Maximus war ein weltliches Herrschaftssymbol, keine liturgische Insignie. Der Papst benutzte sie nur bei den feierlichen Reiterprozessionen in der Ewigen Stadt oder wenn er sich auf seinem Tragsessel an bestimmten hohen Festen zum Gottesdienst nach Sankt Peter oder in eine der Erzbasiliken der Ewigen Stadt begab. Trotz ihrer außerliturgischen Einordnung fand die Tiara bei einigen gottesdienstlichen Zeremonien, wie etwa der Erteilung des Segens Urbi et orbi, Verwendung.[1]

Die biblische Deutung der Tiara, besteht darin, dass der eine Himmel nach Mose (Dtn 10,14 EU) und Paulus (2 Kor 12,2-4 EU) in drei Himmel eingeteilt ist. Sie kann auch als traditionsgeformte "Krone" Petri, als des Ersten unter den Zeugen des Ostereignisses, gedeutet werden, die damit die biblisch hergeleiteten Schlüssel Petri ergänzt.

Eine weitere Deutung: Die drei Kronen, das Triregnum, symbolisieren die drei Gewalten, die die Aufgaben dem Papst, aber auch jedem Bischof : das Lehramt (die Wahrheit zu verkünden), zu heiligen (die Sünden zu vergeben und die Sakramente zu spenden) und die Kirche zu regieren.

Bei der Krönung Papst Pauls VI. bedeuten die drei Ringe der Tiara: Die streitende, die triumphierende und die betende Kirche.[2]

Papstkrone 1300-1964

Die Herkunft der Tiara als Gegenstand ist nicht eindeutig geklärt, wird aber aus dem persischen Reich, mit Zwischenstationen über die byzantinische Hofhaltung, hergeleitet. Aus der so gen. phrygischen Mütze (Phrygium, Frigium) könnten sich sowohl die päpstliche "Mitra" als auch das Camelaucum der Orthodoxie (daher wohl ital.: Camauro) entwickelt haben, ein konisches Birett aus Stoff.

Das Camelaucum trugen die Päpste vermutlich seit dem 4. Jahrhundert. Unklar ist, wer, wohl im 12. Jahrhundert, zuerst einen Kronreif anbringen ließ. Regelmäßig als (quasi-monarchische) Papstkrone, auch als Frigium, Regnum, Corona oder Triregnum bezeichnet, ist die Tiara seit Bonifaz VIII. anzutreffen, auf dessen Fresko sie abgebildet ist, das ihn bei der Eröffnung des ersten Hl. Jahres 1300 zeigt. Er fügte der Krone einen zweiten Reif mit Blick auf den Anspruch auf weltliche und geistliche Herrschaft hinzu (vgl. Bulle Unam Sanctam).

Die noch unsichere Erscheinungsform nimmt, zur weiteren Abgrenzung (!) von weltlichen Kronen, schließlich in Avignon um 1315 die Form der dreifachen Krone an (erste Erwähnung als Triregnum), die sowohl die drei Seinsweisen der Kirche, leidend, streitend und triumphierend, als auch die geistliche Oberhoheit des Papsttums über die Fürstentümer und Staaten zum Ausdruck bringen soll. Diese vollendete Form, zuerst bei dem Grab Benedikt XII. belegt, gibt in Rom auch das Grabmal Nikolaus V. von 1455 wieder.

Das Pontificale Romanum (1596) deutete die Tiara als die päpstliche Autorität universaler Vollmacht in drei Gewalten dar: "Vater der Fürsten und Könige, Lenker der Welt und Stellvertreter Christi auf Erden."

Ohne echte liturgische Bedeutung blieb die Symbolik der Papstkrone seit dem Verlust des Kirchenstaates 1870 unsicher. Die Päpste Leo XIII. und Benedikt XV. ließen sich ohne großen Aufwand in der Sixtinischen Kapelle krönen, während die Nachfolger wieder eine öffentlich zugängliche Papstkrönung durchführten. Pius XII. und Johannes XXIII. wurden, wegen des Massenandrangs, bereits außerhalb der Liturgie auf der Loggia des Petersdoms gekrönt, Paul VI. auf dem Petersplatz. Als letzter Papst vollzog so Paul VI. 1963 eine Krönung.

Verzicht auf die Kopfbedeckung

In der dritten Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils, die das Problem der Armut in der Welt als Schwerpunktthema hatte, legte Papst Paul VI. am 13. November 1964 die Tiara, die ihm von den Mailändern gestiftet wurde, – als Geschenk an die Armen - in einem feierlichen Akt auf dem Confessio-Altar der Peterskirche ab. Diese ist heute in einer Glasvitrine in der Unterkirche des Heiligtums der Immakulata in Washington aufbewahrt. Am 6. Februar 1968 überbrachte sie Erzbischof Luigi Raimondi, der damalige Apostolische Delegat in den USA, dem National Shrine of the Immaculate Conception. Die Tiara Pauls VI. dient nunmehr seit vielen Jahrzehnten auch ohne Verkauf der Intention ihres einstigen Trägers. In der Nähe der Vitrine mit der Tiara befindet sich ein Opferstock, der mit einer Aufschrift an die Geste und lädt dazu ein, einen Beitrag für die Armen der Welt zu leisten. Die Geste erinnert an den heiligen Pius X., der in seinem Pontifikat die Preziosen seiner Tiara durch künstliche Steine ersetzen und den Erlös ebenfalls den Armen zukommen ließ. Die Tiara und die Krönung mit ihr generell abzuschaffen, liegt nicht in der Intention des Papstes. Als er 1975 eine neue Verfügung zur Papstwahl, die Apostolische Konstitution Romano pontifici eligendo, erlässt, bestimmt er, was nach einem erfolgreich verlaufenen Konklave zu tun ist: »Der Papst wird schließlich durch den Kardinalprotodiakon gekrönt.« Den universellen Herrschaftsgedanken, den die Insignie und die Krönungsformel vermitteln, wandelt Papst Paul VI. in einen universellen Anspruch seines Vaterseins um.[3]

Aussehen

Die vatikanischen Museen verfügen über eine eher kleine Sammlung von Tiaren seit 1800, da die älteren bereits an Napoleon ausgeliefert werden mussten. Dieser "gönnte" Papst Pius VII. zur Kaiserkrönung in Paris eine aus Bruchstücken der alten Kronen gefertigte neue, die der Überlieferung nach aber absichtlich zu eng gefertigt war, so dass der Papst sie nicht einmal bequem tragen konnte. Neue Tiaren wurden für Papst Gregor XVI., Papst Pius IX. und Papst Leo XIII. angefertigt, später insbesondere für Pius XI. und schließlich in modernster Form für Paul VI. Die Tiara, die Pius XI. im Heiligen Jahr 1925 trug, war aus vergoldeten Silberfaden, Goldfaden und verschiedenfarbiger Seide. Sie ist mit Diamanten, Smaragden, Rubinen und Malachit verziert.

Tiara-Geschenk an Päpste

Bei der Generalaudienz am 25. Mai 2011 auf dem Petersplatz, überreichte Dieter Philippi Benedikt XVI. eine Tiara, als ein gemeinsames Geschenk Philippis und einer Gruppe Bulgarischer Orthodoxer Christen.[4]

Der Präsident des mazedonischen Parlaments Trajko Veljanoski überreichte Papst Franziskus am 16. Mai 2016 im Vatikan eine mit Perlen bestickte Tiara.[5]

Die Freimaurerei und die Tiara

Die «Satanshymne» des Großmeisters Giosue Carducci (33 Freimaurergrad) sagt über die Tiara:
«Und schon erzittern Mitren und Kronen: Heil dir, o Satanas, o Rebellion, o rächende Kraft der Vernunft»
Ehre sei dir, großherziger Rebell! Ich hebe mein Glas: Auf die Freiheit, jene Rächerin des vergewaltigten Menschengeistes. Stürze den lügenhaften Thron des Nachfolgers Petri! In den Staub Tiara und Inful (Diese Verherrlichung Satans wurde von der italienischen Freimaurerei als ihre eigene Hymne bezeichnet).

Literatur

Weblinks

Anmerkungen

  1. Osservatore Romano, 15. November 2019, S. 5 von Ulrich Nersinger
  2. vgl. Kathtube-logo.jpg Kurzporträt mit Krönung von Papst Paul VI. - englische Untertitel (Länge: 10:37 Min.), ca. 7:28 Uhr
  3. Osservatore Romano, 15. November 2019, S. 5 von Ulrich Nersinger
  4. Bei orbiscatholicussecundus.blogspot.com
  5. Vatikan: Papst Franziskus bekommt ungewöhnliches Geschenk Radio Vatikan am 16. Mai 2016.
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