Sexualität

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Sexualität wird auch als Geschlechtlichkeit bezeichnet und lexikalisch mit dem Begriff Fortpflanzung in Verbindung gebracht.

Das Wort Geschlechtlichkeit kommt etymologisch nicht von „schlecht“, wie manche ältere Personen denken, sondern von „in eine Art schlagen“. [1] Die Sexualität betrifft den „innersten Teil der menschlichen Person“ [2]. Neben dem Selbsterhaltungstrieb ist der Geschlechtstrieb eine der großen Kräfte, die dem Menschen zum Leben dienen.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft der Sexualität

Als gegenseitige körperlich-seelische Ausrichtung von Mann und Frau existierte die Sexualität schon vor dem Sündenfall. [3] Dieser verletzte sie zwar, hob sie aber nicht grundsätzlich ins „Unreine“. Da unser Geschlecht in jeder Körperzelle durch die XY bzw. XX-Chromosomen festgelegt ist, sind wir Menschen entweder weiblich oder männlich. ("Zwischenformen" sind im Wesentlichen psychisch und bleiben hier ohne Wertung.)

Sexualität in der Ehe

Die Sexualität bedeutet eine wichtige Klammer für die Eheleute bis ins hohe Alter: Sara ist 90 Jahre alt, als Isaak geboren wird [4] „Sara ging es nicht mehr nach der Frauen Regel. ...„Ich bin doch verblüht, da soll mir noch Liebeswonne werden? Und auch mein Gatte ist schon ein Greis.“ [5] Vielfach wird dazu behauptet, die Katholische Kirche lehre ausschließlich den Zweck der Fortpflanzung und sei ansonsten leibfeindlich. Die Kirche wünscht als Bewahrerin des Lebens, dass jeder sexuelle eheliche Akt zum Kind hin offen ist, sieht jedoch den Zusammenhalt der Eheleute in Freude gleichwertig dazu [6] [7] Alles andere als leibfeindlich ist auch das Hohelied der Liebe im Alten Testament. [8] Die Schönheit von Braut und Bräutigam werden darin eindrücklich und sehr bildhaft bejaht. Auch im NT herrscht keine Leibfeindlichkeit: Paulus schreibt: Der Mann soll seiner Frau schenken, was er ihr schuldig ist, und ebenso die Frau ihrem Mann. Die Frau hat kein Verfügungsrecht über ihren Leib, sondern der Mann. Genauso aber hat auch der Mann kein Recht, einfach so über seinen Leib zu verfügen, sondern die Frau. Ihr sollt euch einander nicht entziehen….“ [9] „Der Körper des Mannes und seine Sexualität gehören nicht mehr ihm, sondern seiner Frau und umgekehrt. Weder Mann noch Frau dürfen sich einfach nehmen, was sie wollen, aber sie dürfen dem Partner auch nicht vorenthalten, was ihm gehört. Ansonsten treibt man ihn zum bewussten Sündigen.“ [10]

Sexualität und Kommunikation

Die Erfahrung zeigt, Zärtlichkeiten auszutauschen ist nur möglich, wenn man vorher miteinander geredet hat. [11] Als wichtige Investition in die Ehe gilt es, sich nicht hinter Passivität zu verstecken: „Liebe ist es, zu bitten, was einem gut tut und nicht autonome Sexualität anzustreben“ [12] Sexualität hat einen wellenförmigen Verlauf mit Hochs und Tiefs. Paare bewältigen eine Krise leichter, wenn sie gelernt hatten, sich über ihre sexuellen Wünsche auszutauschen. Dies erfordert die Offenheit des Gesprächs und die beiderseitige Bereitschaft sich verletzlich zu machen. „Liebesspiele“ (eine Streichholzschachtel mit Fragekärtchen) wie das von Team F fördern die Kommunikation auf dem Gebiet der romantischen Liebe und Sexualität. [13]

Sexualität in belastenden Situationen

Im Alter, bei körperlichen oder seelischen Krankheiten sowie Arbeitslosigkeit kommt es oft zum Drang, den Partner zu verlassen. Die Ehe ist ein guter Gedanke Gottes. [14] Er will, dass die Ehe lebenslang hält, unabhängig von der Lebenssituation. Seelsorger helfen die Früchte des Hl. Geistes zu erbeten: Geduld,Treue, Besonnenheit und Selbstbeherrschung. [15] Jede Diözese bietet mittlerweile – auch anonyme - Eheberatung über das Internet an. „Es gibt viele Männer und Frauen, die aus verschiedensten Gründen nicht in der Lage sind, Geschlechtsverkehr zu haben, aber trotzdem glückliche Beziehungen unterhalten. Dies kann durch eine Umarmung geschehen, durch einen Kuss, durch einen Blick.“ [16] Viele benötigen zunächst eine Zeit des Trauerns über das, was nicht mehr geht. Wenn sie beginnen, die Sprachlosigkeit zu überwinden und ihre Sexualität kreativ zu gestalten, birgt dies in sich die Chance eines Neuanfangs. Auch der nicht erkrankte Partner hat Bedürfnisse. Friseur, Kosmetik, Kleidung: all dies hebt das Selbstwertgefühl und fördert so auch die sexuelle Anziehungskraft. Unterstützend sind Hobby-Pflege, körperliche Bewegung, Gymnastik, Tanz, Musiktherapie sowie Hilfsmittel wie Gleitgel. [17] Eine amputierte Brust oder ein künstlicher Darmausgang können verunsichern. Entscheidend ist, ob das Paar dabei stehen bleibt und sich zurückzieht oder ob beide es lernen, miteinander ins Gespräch zu kommen und Ideen zu entwickeln, Trennendes zu überwinden, einander Sicherheit zu geben, immer noch vollwertiger Mann, vollwertige Frau, zu sein. [18]

Fallstricke in der Ehe-Praxis

„Die Konkurrenz schläft nicht, gehen Sie zum Friseur“ pflegte Pater Tillmann Beller (Schönstatt) verheirateten Frauen mitzuteilen. Männer sind heute einer Flut erotischer Bilder ausgesetzt durch Großplakate, Kaufhausschaufenster, E-Mail-Portale. Männer sind nach einem Vortrag von Christa Meves „Augentierchen“ . [19], Es entstehen Wunschträume, die eigene Frau in schöner Kleidung anschauen zu dürfen. Nicht alles ist Sünde, wo „sündig“ oder „teuflisch schön“ aus Werbezwecken, z.B. auf Dessous darauf steht. Um eine Übertreibung zu vermeiden, auch hier miteinander sprechen. Andererseits gibt es objektiv Sünde, wo sie nicht gleich zu erkennen ist, und die Hilfe des Gebets und des Glaubens nötig ist: z.B bei Pornographie-Sucht im Internet. [20]

Sexualität muss geordnet sein

Sexualität muss begrenzt werden, wenn man sie gesund und glücklich leben will. Es bedarf der persönlichen Anstrengung, um keusch zu leben. Sexuelle Gewalt und Pädophilie zeigen, dass Sexualität nicht schrankenlos gelebt werden kann, nicht immer gut oder harmlos ist. Trotzdem träumen viele von einem solchen Zustand und glauben, das sei die heile Welt. Das kommt besonders aus der Ideologie der 68er Bewegung. Dass die Repression von Sexualität zur Perversion gerät, das ist ein sehr plumpes, mechanistisches Menschenbild, das an Sigmund Freud angelehnt ist und noch in vielen Köpfen herumspukt, obwohl es längst überholt ist. Seit der sexuellen Revolution sind vor allem Männer der Meinung, dass sie sich sexuell verwirklichen müssen, weil sie sonst krank würden. Sexualität wird hier als dranghaft notwendig erlebt, nicht mehr als kultivierbar und steuerbar durch die Vernunft. [21]

Ende der Sexualität - eschatologisches Zeichen

Nicht mehr zu heiraten und damit auch keine Sexualität mehr auszuüben, ist uns von Jesus Christus für den Himmel vorhergesagt. Jesus antwortet auf die Auferstehungsfrage, wem die Frau mit den sieben Männern dann im Himmel gehöre, „die Menschen heiraten nicht mehr, sie sind den Engeln gleich." [22] Die gegenseitige körperlich-sexuelle Ausrichtung des Menschen ist dann beendet und in einer höheren Seinsweise aufgehoben. Das Zölibat weist als vorweggenommenes Zeichen des Himmels auf unsere spätere Existenz bei Gott hin.

Frühsexualisierung

In der Grundschule finden die Kinder es total cool zu entdecken, wie ein Baby im Bauch der Mama wächst, was die Kinder schon alles können (am Daumen lutschen, Purzelbäume schlagen, Fruchtwasser schlucken, Mama treten) und wie eng es da drin kurz vor der Geburt ist. Ich kenne dagegen kein einziges Kind, das in der dritten Klasse detailliert wissen will, wie die Kinder in den Bauch hineinkommen. Dafür sorgen unsere frühsexualisierenden Lehrpläne und Lehrer, die offenbar das Gefühl dafür verloren haben, wann der richtige Zeitpunkt für solche Themen ist und wann nicht. 8 [23]

Im Lexikon Familie und Leben S. 425 heißt es: „Der Heilige Stuhl weist warnend darauf hin, dass der Sexualkundeunterricht in den Schulen und die Pornographie in den Medien gegenüber der jungen Generation Formen des Missbrauchs in der Sexualsphäre sind.“

Quellenverzeichnis

  1. Gertrud und Johannes Brunner, „Kommunikation und Zärtlichkeit“ Vortrag zur Ehevorbereitung in Leitershofen (Bildungshaus der Diözese Augsburg)
  2. KKK 2361
  3. Gen 1,31
  4. Gen 17,17
  5. Gen 18, 11f
  6. Sir 25, 1: Drei Dinge sind es, die vor Gott lieblich sind:..Liebe zwischen Mann und Frau, die gut zusammenhalten.
  7. GS 49,2
  8. Hld (Das Hohe Lied der Liebe)
  9. 1 Kor 7,2-5
  10. Weißes Kreuz, Zeitschrift für Lebensfragen, Sexualität in Alter und Krankheit, 2009
  11. Gertrud und Johannes Brunner, „Kommunikation und Zärtlichkeit“ Vortrag zur Ehevorbereitung in Leitershofen (Bildungshaus der Diözese Augsburg)
  12. familie konkret 4/2009 Broschüre von Team F , Neues Leben für Familien e.V., Lüdenscheid
  13. Das Team.F., Liebesspiel - Das kleinste und preiswerteste Eheseminar der Welt: Streichholzschachtel Grundpackung, Dazu für „Fortgeschrittene“ 7 weitere Ergänzungsbögen (Themen wie Romantik und Sexualität, Wertschätzung und Kommunikation mit jeweils 20 Fragen) www.team-f.de
  14. Gertrud und Johannes Brunner, „Kommunikation und Zärtlichkeit“ Vortrag zur Ehevorbereitung in Leitershofen (Bildungshaus der Diözese Augsburg)
  15. Gal 5,22
  16. Chefarzt der Klinik Hohe Mark in Oberursel, Dr. Dietmar Seehuber in: Weißes Kreuz, Zeitschrift für Lebensfragen, Sexualität in Alter und Krankheit, 2009
  17. Broschüre Krebs und Sexualität, Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V..in: Weißes Kreuz, Zeitschrift für Lebensfragen, Sexualität in Alter und Krankheit, 2009
  18. Stefan Zettl/ Joachim Hartlapp, Ratgeber für Patienten und ihre Partner, Weingärtner-Verlag 2008 in: Weißes Kreuz, Zeitschrift für Lebensfragen, Sexualität in Alter und Krankheit, 2009
  19. Christa Meves, Vortrag auf Burg Rothenfels 1998, hilfreich auch „Ehe-Alphabet“, Christiana Verlag: Stein am Rhein, 27. Auflage 2002
  20. Joyce und Clifford Penner, „Sex – Leidenschaft in der Ehe“, Hänssler-Verlag (ehemals: „Meine Liebe schenk ich Dir“). Eine gute sexuelle Beziehung ist das Fundament einer Ehe. Pornografie im Internet und andere sexuelle Abhängigkeiten. Hänssler-Verlag 2008 in: Weißes Kreuz, Zeitschrift für Lebensfragen, Sexualität in Alter und Krankheit, 2009
  21. Raphael Bonelli http://www.kath.net/detail.php?id=26667
  22. Mt 22,32ff
  23. Aus: Alexandra Linder, Von Kindern, Frühsexualisierern und Meinbauchgehörtmirverfechtern, in: Vatican-Magazin, April 20108

Päpstliche Schreiben

Benedikt XVI.

Paul VI.

Johannes Paul II.

Pius XI.

  • 31. Dezember 1930. Enzyklika Casti connubii über die christliche Ehe in Anbetracht der gegenwärtigen Zustände in Familie und Gesellschaft, ihrer Bedürfnisse, Irrwege und Entartungen.

Literatur

  • Wilma Lerchen : Liebe wählt aus - Wie finde ich den richtigen Partner? 
Freundschaft und Sexualität - Zufall oder Entscheidung? 
Impulse für Jugendliche und junge Erwachsene. Schönstatt Verlag (ISBN 978-3-935396-22-6).
  • Dietrich von Hildebrand: Die Enzyklika Humanae vitae, Ein Zeichen des Widerspruches 1968. Download
  • Georg Siegmund: Die Natur der menschlichen Sexualität, Verlag Wort und Werk Köln 1969 (117 Seiten; 1. Auflage; Imprimatur Coloniae, die 10 m. Septembris a. 1969 Jr. Nr. 64 846 I/69 Nettekoven vic. gen.; in acht Sprachen übersetzt)
  • Petra Hirscher: Das Buch für Mädchen. alles, was ich wissen will über Erwachsenwerden, Liebe und Sexualität. Pattloch Verlag München 2002 (240 Seiten).
  • Anton Mayer: Hildegard von Bingen. Das große Mysterium der Liebe und die Erbsünde. (110 Seiten; bei Fe Medienverlag erhältlich; besonders für werdende Eltern).
  • Andreas Späth (Hrdg.): Die missbrauchte Republik. Aufklärung über die Aufklärer. (168 Seiten; erhältlich beim Media Maria Verlag).

siehe: Theologie des Leibes, TeenStar, Gender

Weblinks

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