Reue

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"Die Reue ist ein innerer Schmerz und Abscheu der Seele über die begangenen Sünden verbunden mit dem Vorsatz, in Zukunft nicht mehr zu sündigen«,[1] Sie setzt die persönliche Einsicht in eine schuldhafte Unterlassung oder schuldhafte Tat voraus. Am Vorsatz ist eine echte Reue erkennbar.

Die Reue ist Anfang und Mitte der Bekehrung, jener Metánoia des Evangeliums, die den Menschen zu Gott zurückführt wie den verlorenen Sohn zu seinem Vater und die im Bußsakrament ihr sichtbares Zeichen hat, welches das einfache Bedauern zu seiner Vollendung führt. »Von dieser inneren Reue hängt die Echtheit der Buße ab«. [2]

Inhaltsverzeichnis

Natürliche Reue

Es ist keine Reue, einen bloßen Fehler gemacht zu haben (im Sinne etwa nicht "optimaler" Ausnutzung einer Gelegenheit) oder der selbstbezogene Ärger über persönliche Mängel. Fehlererkenntnis oder persönlicher Ärger können jedoch Anlass sein, zur echten Reue zu gelangen.

Die Sünden müssen dem Menschen leid sein, weil er Gott beleidigt hat. Wenn dem Menschen die Sünden leid sind wegen Menschen oder wegen zeitlichen Schadens, dann ist das nur eine natürliche Reue. Diese bringt dem Sünder keine Verzeihung von Gott. Wenn die Sünden aber wegen Gott oder Jesus Christus leid sind, dann ist dies eine übernatürliche Reue, d.h. aus einem Beweggrund, den uns der Glaube lehrt.[3] Um die Gnade einer solchen Reue, betet der aufrichtige Sünder.[4]

Vollkommene Reue oder Liebesreue (contritio)

Die vollkommene Reue ist der Wunsch des frommen Herzens, sich aus Liebe zu Gott ganz von der Sünde abzuwenden; und sich voll zum Vertrauen in die Liebe Gottes, zur Gemeinschaft mit Jesus Christus, zu bekehren. Die Liebesreue ist übernatürlich. Durch sie erlangt man sofort Verzeihung der Sünden, wenn man die Absicht hat, die schweren Sünden bei der nächsten Beichte zu bekennen.[5]

Außer dem Bußsakrament soll man die Liebesreue erwecken: 1. beim täglichen Abendgebet und in Todesgefahr, 2. wenn man das Unglück gehabt hat, eine Todsünde zu begehen und nicht sogleich beichten kann.[6]

Unvollkommene Reue oder Furchtreue (attritio)

Die nur unvollkommene Reue ist die Einsicht des Sünders, sich gegen Gott und die Menschen vergangen zu haben, ohne dass aber zugleich eine volle "Wiedererlangung der Taufgnade" in Wahrheit und Liebe eintrat. Bei der unvollkommenen Reue kann auch die Angst vor ewiger oder zeitlicher Strafe durch Gott oder die Angst vor der Verfehlung des ewigen Ziels vorwiegen. Diese Reue genügt zur Beichte.

Die "zu späte" Reue

Wird bewusst und willentlich gesündigt, gewöhnt sich der Mensch an die Sünde, wie Judas Iskariot, der durch "Kleineres" stehlen auch eine "größere" Sünde (für Geld) beging. Als er Jesus Christus verraten hatte, [und] sah, dass Jesus zum Tod verurteilt war, reute ihn seine Tat. Er brachte den Hohenpriestern und den Ältesten die dreißig Silberstücke zurück und sagte: Ich habe gesündigt, ich habe euch einen unschuldigen Menschen ausgeliefert. Sie antworteten: Was geht das uns an? Das ist deine Sache. Da warf er die Silberstücke in den Tempel; dann ging er weg und erhängte sich (Mt 27, 2).

Beichte als "sicherer Weg"

Das wichtigste beim Empfang des Bußsakraments ist die Reue. Ohne Reue können wir keine Vergebung unsrer Sünden erlangen. Wer Todsünden begangen hat, muss wenigstens die Todsünden bereuen. Wer nur lässliche Sünden zu beichten hat, muss wenigstens eine davon ernstlich bereuen, um gültig zu sein. Im Bußsakrament genügt die unvollkommene Reue; wir sollen uns aber bemühen, unsre Sünden aus Liebe zu Gott zu bereuen.[7]

Die vollkommene Reue des Getauften ist dazu imstande, die Sünde zu tilgen, bevor eine Beichte stattfindet. Denn jede Hinwendung des Christen zu Gott mildert Sünde und Schuld, da Gott die Liebe und Vergebung selber ist.

Diese uralte Überzeugung der Kirche ist aber ungeeignet, die Beichte auf seltene Ausnahmefälle echter "Kapitalverbrechen" oder schwerer geistlicher Lebenskrisen zu beschränken. Umgekehrt: Christen "müssen" nicht beichten, sie dürfen es! Wer ehrlich ist, der ahnt, wie selten vollkommene Reue und reine Liebe sind. Immer mischen sich auch unedle Motive in unsere Absichten. Das gestattet aber keine Resignation, keinen lutherischen Pessimismus, als ob die Sünde "bis zum letzten Tag" immer den Sieg davontrage. Im Gegenteil: Im Bußsakrament wird die Sünde immer wieder mit Gewissheit besiegt, auch wenn die Reue (wie oft!) nur unvollkommen blieb.

Entgegenkommen Gottes

Die Kirche hat in der Geschichte lange gebraucht, um zu erkennen, dass sie im Heiligen Geist die Vergebung überreich und immer "ausschütten" darf, in der Beichte wie im Ablass. Ursprünglich war die Bußpraxis viel strenger. Christus aber holt durch die Priester die Seinen in die Herrlichkeit seiner Gnade zurück, wenn wir ihm dafür nur einen Anlass bieten: ein reumütiges Herz, ein aufrichtiges Bekenntnis, der Wille zur Besserung und entsprechende Taten der Wiedergutmachung.

Die Beschränkung des "Reue-Empfindens" auf ein nurmehr inneres Ringen mit dem mysteriösen "Gegenüber", bei dem dann stets das "Gewissen" siegt, dem gegenüber "ich mir selbst" treu bleibe, wäre hingegen der Anfang vom Ende der christlichen Religion, die Nachfolge Christi ist, der zur Umkehr rief.

Zitate

In einem älteren Gebetsheft aus Regensburg (1973) schrieb Pfarrer A.M. Weigl:

Was soll ich tun, wenn ich schwer gesündigt habe, wenn ich gar sterben muss und nicht mehr beichten kann? Vor allem nicht verzweifeln, sondern vertrauen und bereuen! So tief ist niemand gesunken, dass er nicht durch Gottes Gnade und Jesu Blut gerettet werden könnte. Vertraue auf die unendliche, göttliche Barmherzigkeit, die für Dich am Kreuze verblutete. Bedenke, dass die Wunden des gekreuzigten Heilandes der ergreifendste Ausdruck Seiner unendlichen Liebe und Güte sind, und bereue dann aus Liebe zu Gott alle Deine Sünden, indem Du mit heiligem Ernst betest:

Mein Herr und mein Gott! Ich bereue alle meine Sünden, weil ich Dich, die ewige, unendliche Liebe und Güte, beleidigt habe. Ich bin fest entschlossen, nach Deinem heiligen Willen zu leben und zu sterben.

Dich liebt o Gott, mein ganzes Herz, und das ist mir der größte Schmerz, dass ich betrübt Dich höchstes Gut, ach wasch mich rein Deinem Blut.

Oder kurz: Mein Jesus, Barmherzigkeit!

Im Augenblick höchster Gefahr kann der Gedanke JESUS genügen. Durchdrungen von dieser Gesinnung, kannst Du jeden Augenblick mit Gott versöhnt und wieder ein Kind Gottes werden. Denn die Liebe zerstört die Sünde und bringt die Gnade wieder. Diese Liebesreue schließt den Entschluss ein, wenigstens die schweren Sünden bei der nächsten Beichte zu bekennen.

Lehramtliches

Johannes XXIII.

Johannes Paul II.

Tabellarischer Überblick zur Heilung des Einzelmenschen

Wertung Zustand der Leibessäfte Ausdünstender
leiblicher -
Geruch
materielles
Universalheilmittel[8]
Leibliche
natürliche Folge
Wille Zustand der Seele Ausstrahlender seelischer -
Geruch
geistliches Universal- heilmittel[9] seelische
übernatürliche Folge
👍
Positiv
gute
Freude
Duft (wie
Weihrauch)
Tägl. Brot [10]+
Wein
Gesundheit 😍
Gedeihen
Gottes
Freude
Heiligmachende Gnade - GdH
Tugend
Vergebung
Liebe
Tägl. BROT[11] + Gebet - Leid
Gottnähe
Ewiges Leben
😇
Negativ
👎
schlechte (üble)
Traurigkeit
Gestank (wie Schwefel)
II Ausleitung II
Krankheit 🤒
(Schwarzgalle)
Tod
des Teufels -
Eigenwille
Traurigkeit
Todsünde bis Verstocktheit
Laster
Unversöhnlichkeit
Hass
II Reue - Taufe -
Beichte
II
Gottferne
Ewiger Tod
☠️
Gebet: Komm herab, o Heil'ger Geist, der die finstre Nacht zerreißt, strahle Licht in diese Welt. Vater aller Armen Du, Aller Herzen Licht und Ruh, Komm mit Deiner Gaben Zahl ! Tröster in Verlassenheit, Labsal voll der Lieblichkeit, Komm, Du süßer Seelenfreund! In Ermüdung schenke Ruh, In der Glut hauch Kühlung zu, tröste den, der Tränen weint. O Du Licht der Seligkeit, mach Dir unser Herz bereit, dring in unsre Seelen ein! Ohne Dein lebendig Wehn, kann im Menschen nichts bestehn. Wasche, was beflecket ist; heile, was verwundet ist; tränke, was da dürre steht; beuge, was verhärtet ist; wärme, was erkaltet ist; lenke, was den Weg verfehlt ! Heil'ger Geist, wir bitten Dich: Gib den gläubig Schauenden, Den auf dich vertrauenden, Deiner sieben Gaben Kraft ! Gib den Lohn der Tugend ganz, Gib' des Heiles vollen Glanz, und dereinst die Seligkeit. Amen. Halleluja (Pfingstsequenz).

Anmerkungen

  1. Catechismus Romanus, 2. Teil, Kapitel V, Nr. 23.
  2. Johannes Paul II., 2. Dezember 1984 Nachsynodales Schreiben Reconciliatio et paenitentia über Versöhnung und Buße in der Sendung der Kirche heute, Nr. 31, III..
  3. Katholische Glaubenslehre (Graf von Galen)#Das Sakrament der Buße.
  4. Basler Katholischer Katechismus (1947)#Die Reue.
  5. Österreichische Bischofskonferenz: Katechismus der katholischen Religion#53. LEHRSTÜCK: GOTT NIMMT DEN REUMÜTIGEN SÜNDER AUF.
  6. Katholische Glaubenslehre (Graf von Galen)#Das Sakrament der Buße.
  7. Katholischer Katechismus der Bistümer Deutschlands 1955#85. Der Empfang des Bußsakramentes.
  8. Gib uns heute unser tägliches Brot. Gib uns alles, was wir nötig haben für den Leib: Nahrung, Kleidung, Wohnung. - Basler Katholischer Katechismus (1947)#Die wichtigsten Gebete.
  9. Gib uns heute unser tägliches Brot. Gib uns alles, was wir nötig haben für die Seele: Wahrheit, Gnade, heilige Kommunion. - Basler Katholischer Katechismus (1947)#Die wichtigsten Gebete.
  10. Mit gutem Grund erbittet man (im Vater unser) das Brot, das das Leben erhält, nachdem man die Gnade erbeten hat, die das Leben selbst ist. Denn das erste, wonach jemand verlangt, der zu leben beginnt, ist nichts anderes als die Speise, mit der man sich am Leben erhält. Ihr müsst aber wissen, dass man in diesem Gebet hauptsächlich das geistliche Brot erbittet, das die Speise für die Seele ist, und erst in zweiter Linie das materielle Brot, das die Speise für den Leib ist. Unter geistlichem Brot versteht man aber das allerheiligste Altarsakrament, das göttliche Brot des Himmels, das auf wunderbare Weise das Leben der Seele nährt. … Unter leiblichem Brot versteht man all das, was nötig ist, um das Leben des Leibes zu erhalten, der für die Seele das Werkzeug ist, mit dem sie ihre guten Werke verrichtet. … Es heißt täglich, d. h. Brot für jeden Tag, damit wir keine übertriebenen oder außergewöhnlichen Dinge wünschen, sondern nur das, was als einfache tägliche Nahrung ausreicht, und zwar für die Seele ebenso wie für den Leib, vor allem weil wir ja wissen, dass wir in diesem Leben Pilger und Fremde sind.- aus: Robert Bellarmin: Großer Katechismus#Erklärung des zwölften Artikels.
  11. griech.: "τον αρτον ημων τον επιουσιον δος ημιν σημερον", lat.: "Panem nostrum supersubstantialem da nobis hodie" (Mt 5, 11); Die Kirche ladet uns ein, täglich zum Tisch des Herrn zu gehen. - Catechismus Romanus II. Teil, Nr. 58; Konzilskongregation 1905, Dekret Sacra tridentina synodus über die tägliche Kommunion; Codex Iuris Canonici 1917 can. 863; II. Vatikanum: OE 15; KKK 1389.
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