Noi potremmo oggi

Aus Kathpedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ansprache
Noi potremmo oggi

unseres Heiligen Vaters
Pius XII.
an Neuvermählte
Sinn und Bedeutung der Weihe der Familie an das Heiligste Herz Jesu.

16. Juni 1940

(Quelle: Ansprachen Pius XII. an Neuvermählte, Josef Habbel Verlag Regensburg 1950, S. 45-50, Übersetzt und eingeleitet von DDr. Friedrich Zimmermann. Imprimatur Regensburg, den 11. Juli 1949 J. Franz, Generalvikar; Download).

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Wir könnten heute, geliebte Neuvermählte, euch zur Betrachtung vorstellen das liebliche Bild, das die Kirche vorgestern der Frömmigkeit der Gläubigen darbot: ein Kind, den heiligen Johannes, die wunderbare Frucht einer Ehe, die lange Zeit unfruchtbar war, und dessen Geburt von so wunderbaren Zeichen begleitet war, dass die Freunde und Bekannten der Familie voll Staunen sich fragten? "Was wird wohl aus diesem Kinde werden?" (Lk. 1, 66).

Wir könnten auch mit euch niederknien bei den Gräbern der Apostelfürsten, deren Fest in drei Tagen feierlich von der Kirche begangen wird, könnten wecken in euch das Echo der weisen Lehren, die St. Petrus in seinem ersten Brief (3, 1-7) und St. Paulus in seinem Brief an die Epheser (5, 22-33) den Gläubigen ihrer Zeit gegeben haben.

Aber in einer bewegten Zeit, in der ihr vielleicht in Sorge seid um die Zukunft des kaum gegründeten Heimes, halten Wir noch für nützlicher ein Wort der Ermunterung, ähnlich jenem, das Wir schon öfter in diesem Monat Juni an junge bei Uns versammelte Eheleute gerichtet haben, um euch zu sagen: Teure Söhne und Töchter, weiht euch dem heiligsten Herzen Jesu, schenkt euch ihm ganz, dann werdet ihr froh und vertrauensvoll leben können!

Daran ist kein Zweifel: will man aus der augenblicklichen Krise für immer herauskommen, muss man die Gesellschaft wiederaufbauen auf weniger gebrechlichen Grundlagen, d. h. auf solchen, die mit der Sittenlehre Christi übereinstimmen, der ersten Quelle jeder wahren Kultur. Nicht weniger sicher ist: will man dieses Ziel erreichen, muss; man damit anfangen, die Familien wieder christlich zu machen, von denen viele mit der Praxis des Evangeliums die Liebe vergessen haben, die sie verlangt, und den Frieden, den sie bringt.

Die Familie ist die Grundlage der Gesellschaft. Wie der menschliche Körper sich aus lebendigen Zellen zusammensetzt, die nicht für sich allein nebeneinander bestehen, sondern durch die inneren und dauernden Beziehungen zueinander einen Gesamtorganismus darstellen, so wird auch die menschliche Gesellschaft nicht gebildet von einer Vielheit von Einzelpersonen, getrennten Wesen, die einen Augenblick erscheinen, um dann wieder zu verschwinden, sondern von der wirtschaftlichen Gemeinschaft und der sittlichen Verbundenheit der Familien, die das wertvolle Erbe desselben Ideals, derselben Kultur und desselben Glaubens von Geschlecht zu Geschlecht fortpflanzen und so den inneren Zusammenhang und die zeitliche Fortdauer der Gemeinschaftsbande sichern. Der heilige Augustinus bemerkte das vor 1500 Jahren, als er schrieb, dass die Familie das Urelement und wie eine Zelle (particula) der Stadt sein muss. Und da ja jeder Teil hingerichtet ist auf das Ziel und die Unversehrtheit des Ganzen, zog er daraus die Folgerung, dass der Friede am häuslichen Herd zwischen dem, der befiehlt, und dem, der gehorcht, die Eintracht unter den Bürgern fördert (De civ. Dei, 1, 19, c. 16). Das wissen wohl jene, die Gott aus der menschlichen Gesellschaft verbannen und sie umstürzen wollen.

Deshalb gehen sie darauf aus, der Familie die Achtung ja sogar den Gedanken an das göttliche Gesetz zu nehmen, indem sie die Ehescheidung und die freie Liebe preisen, den Eltern die ihnen von Gott übertragene Aufgabe gegen, ihre Kinder schwer machen, indem sie ihnen Angst machen wegen der materiellen Opfer und der moralischen Verantwortlichkeit, die die ehrenvolle Last einer zahlreichen Kinderschar mit sich bringt. Vor derartigen Gefahren möchten Wir euch schützen und deshalb empfehlen Wir euch, euch dem heiligsten Herzen zu weihen.

Das, was der Welt gefehlt hat und was ihr noch fehlt, um glücklich im Frieden zu leben, ist der evangelische Geist des Opfers, und dieser Opfergeist fehlt, weil die Selbstsucht das Übergewicht bekommt, wenn der Glaube schwächer wird. Die Selbstsucht aber zerstört das gemeinschaftliche Glück und macht es unmöglich. Aus dem Glauben sprießen Gottesfurcht und Frömmigkeit, welche die Menschen friedfertig machen, die Liebe zur Arbeit, die auch die irdischen Güter vermehrt, die Rechtschaffenheit, die ihre richtige Verteilung lehrt und sichert, die Liebe, die immerfort die zahlreichen Wunden heilt, die der Gerechtigkeit von den menschlichen Leidenschaften geschlagen werden. Alle diese Tugenden setzen den Opfergeist voraus, zu dem der Gläubige verpflichtet ist. "Wer mir nachfolgen will, verleugne sich selbst", sagt Jesus (Mt. 16, 24). Indes können unter den Menschen wie unter den Völkern die Begierden der einzelnen niemals ganz mit dem gemeinsamen Wohl aller in Übereinstimmung gebracht werden. "Woher kommen", ruft der heilige Apostel Jakobus aus; "die Kriege und die Streitigkeiten unter euch?

Woher anders als von euren Begierden, die in euren Gliedern streiten?" (Jak 4, 1).

Um den Frieden wiederzufinden, müssen die Menschen also wieder lernen, was Christus und die Kirche ihnen seit Jahrhunderten predigen: Ihre eigenen Bestrebungen und Wünsche zum Opfer bringen, soweit sie mit den Interessen anderer oder mit dem Gesamtwohl unverträglich erscheinen. Darin fördert uns auf eine angenehme und sichere Weise die Weihe an das Heilige Herz.

Zunächst erinnert das Bild des göttlichen Herzens, das von Flammen umgeben, mit Dornen gekrönt, von der Lanze durchbohrt ist, uns daran, wie sehr Jesus die Menschen geliebt und sich für sie geopfert hat; nach seinen eigenen Worten "bis zur völligen Erschöpfung und Verzehrung". Außerdem drückt die rührende Klage des Herrn ob der Untreue und der Undankbarkeiten der Menschen dieser Verehrung den wesentlichen Charakter sühnender Buße auf. Unser großer Vorgänger Pius XI. hat das wunderbar ins Licht gerückt in seiner Enzyklika "Miserentissimus Redemptor" und in dem Kirchengebet am Feste des Heiligen Herzens, wo gesagt wird, dass sich mit der frommen Huldigung unserer liebenden Hingabe (devotum pietatis nostrae obsequium) eine würdige Sühne für unsere Sünden (dignae satisfactionis officium) verbinden muss. Diese beiden Momente machen die Weihe an das Heilige Herz hervorragend geeignet, die verletzte Ordnung wiederherzustellen und damit die Rückkehr des Friedens vorzubereiten und zu fördern. Das große Werk Christi oder, um mit dem heiligen Paulus zu reden (2 Kor, 5, 19), das Werk, das Gott in ihm erfüllte, bestand darin, die Welt mit sich zu versöhnen (Deus erat in Christo mundum reconcilians sibi), und das Blut, das bis zum letzten Tropfen aus dem Herzen Jesu auf das Kreuz floss, ist das Siegel des Neuen Bundes (vgl. 1 Kor. 11, 25), das die Bande der Liebe zwischen Gott und dem Menschen wiederknüpfte, die durch die Erbsünde zerrissen waren.

Macht also dieses Herz zum König eures Heimes, und ihr werdet dort den Frieden aufrichten. Um so mehr, als er selbst versprochen hat, indem er die Segnungen seines himmlischen Vaters für die gläubigen Familien erneuerte und näher bestimmte, den Frieden in jenen Familien herrschen zu lassen, die ihm geweiht sind.

O dass doch alle Menschen diese Einladung und diese Verheißung hören wollten! Zwei Unserer glorreichen Vorgänger, Leo XIII. und Pius XI., haben als gemeinsame Väter der Christenheit und als gotterleuchtete Führer des Menschengeschlechtes auf dieser Erde die Menschheit feierlich dem Herzen Jesu geweiht. Aber wie viele Seelen kennen noch nicht, wie viele verachten sogar die Quelle der Gnaden, die ihnen geöffnet worden ist und ihnen so leicht zugänglich bleibt. Möchtet ihr doch nicht zu der Zahl jener Säumigen und Toren gehören, die dem König der Liebe die Tore ihres Heimes, ihrer Stadt, ihres Volkes geschlossen halten und damit den Tag hinausschieben, an dem die befriedigte Welt das wahre Glück wiederfinden wird! Würdet ihr vielleicht euer Fenster verschließen, wenn ihr vor ihm, wie Noe vor der Arche, die Taube mit dem Ölzweig fliegen sähet? Nun, das, was das Heilige Herz verspricht und bringt, ist mehr als ein Symbol, es ist die Wirklichkeit des Friedens. Jesus bittet euch nur, ihm aufrichtig euer Herz zu schenken: das ist die wirkliche Weihe! Habt den Mut, das zu tun, und ihr werdet aus Erfahrung lernen, dass Gott sich niemals an Großmut übertreffen lässt!

Welcher Art auch die Schwierigkeiten sind, die heute oder morgen im Leben um euch auftauchen, ihr werdet dann nicht mehr jene Bestürzung und Traurigkeit erleben, die zur Entmutigung führen; denn sich entmutigen lassen, heißt versagen; nun werdet ihr an Stelle eines schwachen Menschenherzens ein Herz besitzen, das dem Herzen Gottes gleichförmig ist. Dann werdet ihr in Erfüllung gehen sehen für eure Familie und euer Vaterland, für die Christenheit und die ganze Menschheit die Verheißung des Herrn an den Propheten Jeremias: "Ich werde ihnen ein Herz geben, um zu erkennen ...: und sie werden mein Volk sein, und ich werde ihr Gott sein, weil sie zu mir zurückkehren werden mit ihrem ganzen Herzen" (Jer 24, 7). (26. Juni 1940)

Meine Werkzeuge