Natürliches Sittengesetz

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Unter Sittengesetz oder Sittennorm versteht man jenes Gesetz, das die menschlichen Handlungen im Hinblick auf das Endziel vernunftgemäß regelt und ordnet.

Die Sittennorm ist der Wertmaßstab für die Güte oder Schlechtigkeit des Menschen schlechthin; sie betrifft die sittliche Beschaffenheit.

Es unterscheidet sich von den übrigen Gesetzen dadurch, dass es die menschlichen Handlungen auf das letzte Ziel (auf die Vollendung des Menschen als solchen) bezieht, während die andern Gesetze nur ein Sonderziel im Auge haben (z. B. die logischen Gesetze das richtige Denken, die Baugesetze das vollkommene Bauwerk). Die dem Sittengesetz gemäßen Handlungen machen den Menschen schlechthin gut; die nach Sondergesetzen geregelten Handlungen machen den Menschen nur beziehungsweise gut (z. B. zu einem logischen Denker, zu einem guten Baumeister, Schneider). Das Sittengesetz betrifft somit den Menschen als solchen, das vernunftgemäße Handeln schlechthin, das Gesamtgut des Menschen, die übrigen Gesetze hingegen betreffen nur ein Teilgut, eine bestimmte Seite des Menschen (z. B. den guten Gebrauch des Verstandes, der Sprache usw.).

Einteilungen

Man unterscheidet eine objektive und eine subjektive Sittennorm:

1. Die objektive Sittennorm hat unabhängig vom menschlichen Denken und Wollen Bestand und verpflichtende Geltung.

Sie wird eingeteilt in eine höchste (oberste) und eine nähere Sittennorm.

a) Die oberste objektive Sittennorm hat keine andere höhere über sich, trägt also den Grund ihrer Verpflichtung in sich selber; von ihr ist jede andere Sittennorm abhängig. Sie heißt auch höchstes Moralprinzip. Die oberste objektive Sittennorrn ist der ewige Vernunftwille Gottes, das ewige Gesetz, sofern es die vernunftbegabten Geschöpfe auf ihr letztes Ziel hinordnet.

b) Die nähere objektive Sittennorm ist jene, aus der die menschliche Erkenntnis die Sittengesetze unmittelbar schöpft. Es ist das natürliche Sittengesetz, das der Mensch mit dem Licht der Vernunft aus seiner Natur abliest oder ableitet.

2. Die subjektive Sittennorm ist jenes Urteil der praktischen Vernunft, das die objektivpe Sittennorm in der konkreten Einzelhandlung zur Anwendung bringt. Es ist das Gewissensurteil.

Für die subjektive Sittennorm ist die objektive maßgebend !

Päpstliche Schreiben

Pius XII.

Quelle

  • Bernard Kälin: Lehrbuch der Philosophie, Ethik, umgearbeitet von Raphael Fäh OSB, Selbstverlag Benediktinerkolleg Sarnen 1954, Nr. 85-86 (2. Auflage; Imprimatur Curiae, die 8, Juni 1954 † Christianus Caminada Episcopus).
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