Natürliches Sittengesetz

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Unter '''Sittengesetz''', '''Sittennorm''', '''Sittenordnung''' oder '''Naturgesetz''' versteht man jenes natürliche [[Gesetz]], das die menschlichen Handlungen im Hinblick auf das [[Endziel]] vernunftgemäß regelt und ordnet.<ref>Bernard Kälin: Lehrbuch der [[Philosophie]], [[Ethik]], umgearbeitet von Raphael Fäh OSB, Selbstverlag Benediktinerkolleg Sarnen 1954, Nr. 85  (2. Auflage; [[Imprimatur]] Curiae, die 8, Juni 1954 † Christianus Caminada Episcopus).</ref>
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[[Datei:Disambig.png|50px|]] '''Sittengesetz''' meint in der [[Kathpedia]] meistens '''Natürliches Sittengesetz''' - siehe Einteilungen im Artikel: [[Sittliches Gesetz]]
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'''[[Datei:Moses+Zehn Gebote.jpg|miniatur|Die von [[Gott]] dem [[Mensch]]en ins [[Herz]] eingemeißelten Gesetze (vgl. {{B|Röm|2|12-16}}) werden [[Mose]] als die [[Zehn Gebote]] geoffenbart ({{B|Ex|20|1-17}}) ]]'''
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Das '''Natürliche Sittengesetz''' ([[lat.]]: lex moralis naturalis; '''moralisches Naturgesetz''', '''Sittenordnung''') ist die für jeden gültige, nähere objektive '''Sittennorm''', aus der die menschliche [[Erkenntnis]] das [[Sittliches Gesetz|sittliche Gesetz]] unmittelbar schöpft, das der [[Mensch]] mit dem Licht der [[Vernunft]] aus seiner Natur abliest oder ableitet.<ref>[[Bernard Kälin]]: Lehrbuch der [[Philosophie]] II, [[Ethik]], umgearbeitet von Raphael Fäh OSB, Selbstverlag Benediktinerkolleg Sarnen 1954, Nr. 85  (2. Auflage; [[Imprimatur]] Curiae, die 8, Juni 1954 † Christianus Caminada Episcopus); ''[[Summi pontificatus|SP]]'', [[Summi pontificatus (Wortlaut)#Leugnung des Sittengesetzes, das Europa seinen geistigen Zusammenhalt gab|Nr. 28]].</ref>
  
Das natürliche Sittengesetz drückt die Ziele, Rechte und Pflichten aus, die sich auf die leibliche und geistige Natur der menschlichen [[Person]] gründen, und schreibt sie so zugleich vor. Deshalb muss es als vernunftgemäße Ordnung definiert werden, der entsprechend der [[Mensch]] vom [[Schöpfer]] gerufen ist, sein Leben und seine Handlungen zu leiten und zu regeln.<ref>Vgl. [[Paul VI.]], [[Enzyklika]] [[Humanae vitae]], 10: [[AAS]] 60 (1968) 487–488; [[Kongregation für die Glaubenslehre]]: [[Instruktion]] ''[[Donum vitae]]'' vom [[22. Februar]] [[1987]], Nr. 3.</ref>
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Das Natürliche Sittengesetz ist Ausfluss des [[Ewiges Gesetz|ewigen Gesetzes]],<ref> participatio legis aeternae in rationali creatura: [[Thomas von Aquin]]: ‚[[Summa theologiae]] I, 2, q. 91 ad 2.</ref> gründet in der allen [[Mensch]]en gemeinsamen Vernunft und ist die Grundlage der Zusammenarbeit aller Menschen guten Willens, welche religiösen Überzeugungen sie auch haben mögen.<ref>[[Internationale Theologische Kommission]]: Auf der Suche nach einer universalen Ethik: [[ein neuer Blick auf das natürliche Sittengesetz]] 2009, Nr. 9.</ref>
  
Die Sittennorm ist der Wertmaßstab für die Güte oder Schlechtigkeit des Menschen schlechthin; sie betrifft die sittliche [[Beschaffenheit]].  
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„Das Gesetz der Natur ist nichts anderes, als das von [[Gott]] in uns hineingelegte Licht der Vernunft. Durch das natürliche Sittengesetz erkennen wir, was zu tun und was zu meiden ist.“<ref>[[Veritatis splendor]] 1993, [[Veritatis splendor (Wortlaut)#Gott wollte den Menschen "der Macht der eigenen Entscheidung überlassen" (Sir 15, 14)|Nr. 40]]: [[Thomas von Aquin]], dec. præc. prol.: [[KKK]] 1955); Die menschliche Vernunft ist es selbst, die recht zu handeln befiehlt und zu sündigen verbietet ([[Libertas praestantissimum|LP]], [[Libertas praestantissimum (Wortlaut)#Das Naturgesetz ist Gottes Stimme, das ewige Gesetz|Nr. 8]]).</ref> Es ermöglicht, zwischen Gut und Böse,<ref>([[Catechismus Romanus]], [[Catechismus Romanus III. Teil: Von den Geboten|III Teil, Nr. 3]]).</ref> [[Wahrheit]] und [[Lüge]], ([[KKK]] 1954) Erlaubtheit und Unerlaubtheit<ref>"Es ist jene Stimme, die auch den Ungebildeten und selbst noch den unzivilisierten Wilden lehrt, was gut und was böse ist, erlaubt und unerlaubt. :''[[Summi pontificatus|SP]]'', [[Summi pontificatus (Wortlaut)#Leugnung des Sittengesetzes, das Europa seinen geistigen Zusammenhalt gab|Nr. 28]]).</ref> zu unterscheiden. Die Sittennorm ist der Wertmaßstab für die Güte oder Schlechtigkeit des Menschen schlechthin; sie betrifft die sittliche Beschaffenheit.<ref>[[Bernard Kälin]]: Lehrbuch der [[Philosophie]] II, [[Ethik]], Nr. 85.</ref>
  
Es unterscheidet sich von den übrigen Gesetzen dadurch, dass es die menschlichen Handlungen auf das letzte Ziel (auf die Vollendung des Menschen als solchen) bezieht, während die andern Gesetze nur ein Sonderziel im Auge haben (z. B. die logischen Gesetze das richtige Denken, die Baugesetze das vollkommene Bauwerk). Die dem Sittengesetz gemäßen Handlungen machen den Menschen schlechthin gut; die nach Sondergesetzen geregelten Handlungen machen den Menschen nur beziehungsweise gut (z. B. zu einem logischen Denker, zu einem guten Baumeister, Schneider). Das Sittengesetz betrifft somit den Menschen als solchen, das vernunftgemäße Handeln schlechthin, das Gesamtgut des Menschen, die übrigen Gesetze hingegen betreffen nur ein Teilgut, eine bestimmte Seite des Menschen (z. B. den guten Gebrauch des Verstandes, der Sprache usw.).<ref>Kälin: Lehrbuch der [[Philosophie]], [[Ethik]], Nr. 85.</ref>
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==Der Weg des Menschen, das sittlich natürliche [[Endziel]] zu erreichen==
  
== Philosophische Einteilungen<ref>Kälin: Lehrbuch der [[Philosophie]], [[Ethik]], Nr. 86.</ref>==
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„Die Kenntnis des göttlichen und natürlichen Sittengesetzes“ ([[GS]] 89,1) zeigt dem Menschen den Weg, an den er sich halten muß, um das Gute zu tun und sein Ziel zu erreichen. Das natürliche Sittengesetz drückt die ersten, wesentlichen Gebote aus, die das sittliche Leben regeln. Angelpunkt des Sittengesetzes ist das Verlangen nach Gott und die Unterordnung unter ihn, den Quell und Richter alles Guten, sowie der Sinn für den Mitmenschen als ein ebenbürtiges Wesen. In seinen Hauptgeboten wird es im [[Dekalog]] vorgelegt. Dieses Gesetz wird nicht in Bezug auf die Natur der vernunftlosen Wesen natürlich genannt, sondern weil die Vernunft, die es verkündet, zur menschlichen Natur gehört ([[KKK]] 1955).
Man unterscheidet eine '''objektive''' und eine '''subjektive''' Sittennorm:
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'''1.''' Die '''objektive Sittennorm''' hat unabhängig vom menschlichen Denken und Wollen Bestand und verpflichtende Geltung.  
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"Das natürliche Sittengesetz drückt die Ziele, Rechte und Pflichten aus, die sich auf die leibliche und geistige Natur der menschlichen [[Person]] gründen, und schreibt sie so zugleich vor. Deshalb muss es als vernunftgemäße Ordnung definiert werden, der entsprechend der [[Mensch]] vom [[Schöpfer]] gerufen ist, sein Leben und seine Handlungen zu leiten und zu regeln." ([[Veritatis splendor|VS]], [[Veritatis splendor (Wortlaut)#"Die Forderung des Gesetzes ist ihnen ins Herz geschrieben" (Röm 2, 15)|Nr. 50]]).<ref> [[Kongregation für die Glaubenslehre]]: [[Instruktion]] ''[[Donum vitae]]'' vom [[22. Februar]] [[1987]], Nr. 3.</ref> Das natürliche Sittengesetz ist eine Teilhabe des nach dem [[Abbild Gottes|Bilde seines Schöpfers]] geschaffenen Menschen an der Weisheit und Güte Gottes. Es bringt die Würde der menschlichen Person zum Ausdruck und bildet die Grundlage ihrer Grundrechte und -pflichten ([[KKK]] 1978).
  
Sie wird eingeteilt in eine '''höchste (oberste)''' und eine '''nähere''' Sittennorm.  
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Wie in allen anderen Geschöpfen ist die dem Menschen auferlegte sittliche Ordnung nichts anderes als Ausdruck und Forderung seines eigenen [[Wesen]]s. Inhaltlich fordert das sittliche Naturgesetz nicht mehr, als dass der Mensch in jeder Situation seinem [[Sein]] entsprechend handle; also sein Sein im Handeln fortsetze und nicht tätig verleugne; jede Verfehlung gegen das natürliche Sittengesetz kann man als eine Tatlüge bezeichnen.<ref>[[Erzbischof]] [[Wendelin Rauch]] (Hg.): Lexikon des katholischen Lebens, [[Herder Verlag]] Freiburg im Breisgau 1952, Sp. 1099 - Sittengesetz‚ (1352 Spalten).</ref>
  
'''a)''' Die oberste objektive Sittennorm hat keine andere höhere über sich, trägt also den Grund ihrer Verpflichtung in sich selber; von ihr ist jede andere Sittennorm abhängig. Sie heißt auch höchstes Moralprinzip. Die oberste objektive Sittennorrn ist der ewige Vernunftwille Gottes, das [[Ewiges Gesetz|ewige Gesetz]], sofern es die vernunftbegabten Geschöpfe auf ihr letztes Ziel hinordnet.  
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Das sittliche Endziel des Menschen zu erreichen, verlangt die [[Leibliche Werke der Barmherzigkeit|Leiblichen Werke der Barmherzigkeit]] (vgl. {{B|Mt|25|31-46}})
  
'''b)''' Die nähere objektive Sittennorm ist jene, aus der die menschliche Erkenntnis die Sittengesetze unmittelbar schöpft. Es ist das natürliche Sittengesetz, das der Mensch mit dem Licht der Vernunft aus seiner Natur abliest oder ableitet.
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==Das natürliche Sittengesetz ist ins Herz geschrieben und unveränderlich ==
  
'''2.''' Die '''subjektive Sittennorm''' ist jenes Urteil der praktischen Vernunft, das die objektivpe Sittennorm in der konkreten Einzelhandlung zur Anwendung bringt. Es ist das [[Gewissen]]surteil.  
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Dem [[Mensch]]en ist das Natürliche Sittengesetz von [[Gott]] in sein Herz geschrieben, dem zu [[Gehorsam|gehorchen]] seine Würde ist und gemäß dem er [[Einzelgericht|gerichtet]] werden wird ([[Gaudium et spes|GS]], [[Gaudium et spes (Wortlaut)#16. Die Würde des sittlichen Gewissens|Nr. 16]]; <ref>{{B|Röm|2|14–15}}; [[Motu proprio]] ''[[Spes aedificandi mundum]] zur Ausrufung der heiligen [[Birgitta von Schweden]], der heiligen [[Katharina von Siena]] und der heiligen [[Teresia Benedicta a Cruce]] zu Mitpatroninnen [[Europa]]s vom [[1. Oktober]] [[1999]], [[Spes aedificandi mundum (Wortlaut)|Nr. 10]]</ref>). Er ist der allmächtige [[Schöpfer]] und Vater aller, ihr höchster und unabhängiger Gesetzgeber, der allwissende und gerechte Vergelter der menschlichen Handlungen. Es ist jene Stimme, die [[Verantwortung]] für die eigenen Taten vor einem höchsten Richter predigt (''[[Summi pontificatus|SP]]'', [[Summi pontificatus (Wortlaut)#Leugnung des Sittengesetzes, das Europa seinen geistigen Zusammenhalt gab|Nr. 28]]). Was nicht der [[Wahrheit]] und dem Sittengesetz entspricht, hat objektiv kein Recht auf [[Dasein]], Propaganda und Aktion ([[Pius XII. zur Toleranz#Toleranz konkret|Pius XII.]]).
  
Für die subjektive Sittennorm ist die objektive maßgebend !
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Das natürliche Sittengesetz ist unveränderlich (Vgl. [[GS]] 10) und überdauert die geschichtlichen Veränderungen. In der Flut der Vorstellungen und der Sitten bleibt es bestehen und unterstützt ihren Fortschritt. Die Regeln, die es wiedergeben, bleiben dem Wesen nach gültig. Selbst wenn man es einschließlich seiner Grundsätze bestreitet, kann man es weder zerstören noch aus dem Herzen des Menschen reißen. Es taucht im Leben der einzelnen Menschen und der Gesellschaften immer wieder auf ([[KKK]] 1958).
  
==Das natürliche Sittengesetz gilt für jeden==
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Die Anwendung des natürlichen Sittengesetzes ist vielfältig; sie kann ein Nachdenken erfordern, das die je nach Ort, Zeit und Umständen vielfach verschiedenen Lebensbedingungen berücksichtigt. Dennoch bleibt in der Mannigfaltigkeit der Kulturen das natürliche Gesetz eine Regel, welche die Menschen untereinander verbindet und ihnen über die unvermeidlichen Unterschiede hinaus gemeinsame Grundsätze auferlegt ([[KKK]] 1957).
  
Das allgemeingültige (universale) Sittengesetz ist die nähere objektive Sittennorm für das Leben jedes Einzelnen und das Leben der Gesellschaft, wie für die Beziehungen der Staaten untereinander (''[[Summi pontificatus|SP]]'', [[Summi pontificatus (Wortlaut)#Leugnung des Sittengesetzes, das Europa seinen geistigen Zusammenhalt gab|Nr. 28]]) und dies unabhängig einer [[Religion]]. Dem [[Mensch]]en ist das Sittengesetz von [[Gott]] in sein Herz geschrieben, dem zu [[Gehorsam|gehorchen]] seine Würde ist und gemäß dem er [[Einzelgericht|gerichtet]] werden wird ([[Gaudium et spes|GS]], [[Gaudium et spes (Wortlaut)#16. Die Würde des sittlichen Gewissens|Nr. 16]]; <ref>[[Motu proprio]] ''[[Spes aedificandi mundum]] zur Ausrufung der heiligen [[Birgitta von Schweden]], der heiligen [[Katharina von Siena]] ab und der heiligen [[Teresia Benedicta a Cruce]] zu Mitpatroninnen [[Europa]]s vom [[1. Oktober]] [[1999]], [[Spes aedificandi mundum (Wortlaut)|Nr. 10]]</ref>). Er ist der allmächtige [[Schöpfer]] und Vater aller, ihr höchster und unabhängiger Gesetzgeber, der allwissende und gerechte Vergelter der menschlichen Handlungen. Es ist jene Stimme, die auch den Ungebildeten und selbst noch den unzivilisierten Wilden lehrt, was gut und was böse ist, erlaubt und unerlaubt. Es ist jene Stimme, die [[Verantwortung]] für die eigenen Taten vor einem höchsten Richter predigt (''[[Summi pontificatus]]'', [[Summi pontificatus (Wortlaut)#Leugnung des Sittengesetzes, das Europa seinen geistigen Zusammenhalt gab|Nr. 28]]). Was nicht der [[Wahrheit]] und dem Sittengesetz entspricht, hat objektiv kein Recht auf [[Dasein]], Propaganda und Aktion ([[Pius XII. zur Toleranz#Toleranz konkret|Pius XII.]]).
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Das [[Gewissen]] der Menschen und die Überlieferungen der Völker bezeugen das natürliche Sittengesetz. Zwar ist beim [[Mensch]]en infolge der [[Erbsünde]] der Blick durch [[Leidenschaft]] und schlechte Neigungen und Gewohnheiten vielfach gefesselt, so dass nicht alle Menschen in allen Fragen das natürlichen Sittengesetz richtig erkennen; aber es bleibt bemerkenswert, dass wenigstens in den Kernpunkten bei allen Völkern und zu allen Zeiten eine einheitliche sittliche Auffassung besteht. Es gibt z. B. kein Volk. das Wahrhaftigkeit und Unwahrhaftigkeit einfachhin für sittlich gleichwertig erachtet.<ref>Lexikon des katholischen Lebens, S. 1099.</ref> Der [[Mensch]] ist jedoch durch die [[Erbsünde]] nicht imstande, das natürliche Sittengesetz in seiner Ganzheit ohne Mithilfe der [[Gnade]] zu erfüllen, wenn er auch einzelne gute Werke tun kann,<ref>Kommentar zu [[St]] I, q. 62 a. 2 in: Die deutsche Thomas-Ausgabe, Band 4, S. 620.</ref>
  
==Auslegerin des natürlichen und übernatürlichen Sittengesetzes==
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==Das natürliche Sittengesetz - Boden für das staatliche Gesetz==
  
Das natürliche Sittengesetz bringt den Willen Gottes zum Ausdruck, dessen treue Befolgung allen [[Mensch]]en zum ewigen Heil notwendig ist.<ref>Vgl. {{B|Mt|7|21}}; ''[[Humanae vitae|HV]]'', [[Humanae vitae (Wortlaut)#Die Kirche als Garant der wahren Werte des Menschen|Nr. 18]].</ref> Die Auslegung des natürlichen Sittengesetzes (Ordnung des Natur) gehört zur Aufgabe des kirchlichen [[Lehramt]]es.<ref>''[[Humanae vitae|HV]]'', [[Humanae vitae (Wortlaut)#Zuständigkeit des Lehramtes|Nr. 4]]; Vgl. [[Pius IX.]], [[Enzyklika|Enz.]] [[Qui pluribus]], 9. Nov. 1846: Pii IX. P. M. Acta, Bd. 1, S. 9-10; [[Pius X.]], [[Enzyklika|Enz.]] [[Singulari quadam]], 24. Sept. 1912: [[AAS]] 4 (1912), S. 658; [[Pius XI.]], [[Enzyklika|Enz.]] [[Casti connubii]], 31. Dezember 1930: [[AAS]] 22 (1930), S. 579-581; [[Pius XII.]], Anspr. [[Magnificate Dominum]], an den katholischen Weltepiskopat, 2. Nov. 1954: [[AAS]] 46 (1954), S. 671-672; [[Johannes XXIII.]], [[Enzyklika|Enz.]] [[Mater et magistra]], 15. Mai 1961: [[AAS]] 53 (1961), S. 457.</ref>
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Das Natürliche Sittengesetz ist allgemeingültig, d.h. für das Leben jedes Einzelnen und das Leben der Gesellschaft, wie für die Beziehungen der Staaten untereinander (''[[Summi pontificatus|SP]]'', [[Summi pontificatus (Wortlaut)#Leugnung des Sittengesetzes, das Europa seinen geistigen Zusammenhalt gab|Nr. 28]]; [[IM]], 6). Jedes Grundrecht des Menschen leitet seine Gültigkeit aus dem Naturgesetz her ([[Pacem in terris|PT]] [[Pacem in terris (Wortlaut)#Gegenseitige Rechte und Pflichten unter verschiedenen Personen|Nr. 30]]).
  
Außerdem hat [[Christus]] Jesus, als er dem [[Petrus (Apostel)|Petrus]] und den übrigen [[Apostel]]n an seiner göttlichen Gewalt Anteil gab und sie aussandte, alle Völker zu lehren, was er uns geboten hat <ref>Vgl. {{B|Mt|28|18-19}}.</ref>, sie zu zuverlässigen Wächtern und Auslegern des ganzen Sittengesetzes bestellt, das heißt nicht nur des [[übernatürlich]]en (christlichen, evangelischen-Ordnung des [[Evangelium]]s), sondern auch des natürlichen Sittengesetzes.<ref>''[[Humanae vitae|HV]]'', [[Humanae vitae (Wortlaut)#Zuständigkeit des Lehramtes|Nr. 4]].</ref> "Die Kirche ist nicht Urheberin dieser beiden Gesetze. Deshalb kann sie darüber nicht nach eigenem Ermessen entscheiden, sondern nur Wächterin und Auslegerin sein. Sie darf niemals darf sie etwas für erlaubt erklären, was in Wirklichkeit unerlaubt ist, weil das seiner Natur nach dem wahren Wohl des Menschen widerspricht."<ref>''[[Humanae vitae|HV]]'', [[Die Kirche als Garant der wahren Werte des Menschen|Nr. 18]].</ref>
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Das natürliche Sittengesetz liefert als sehr gutes Werk des Schöpfers das feste Fundament, auf dem der Mensch das Gebäude der moralischen Regeln aufbauen kann, die seine Entscheidungen leiten sollen. Es ist auch die unerläßliche sittliche Grundlage für den Aufbau der menschlichen Gemeinschaft (Grundlage der Zivilisation<ref>[[Reconciliatio et paenitentia]], [[Reconciliatio et paenitentia (Wortlaut)#Die Katechese|Nr. 26]].</ref>). Es bietet schließlich den notwendigen Boden für das staatliche Gesetz, das an es gebunden bleibt, sei es durch Schlussfolgerungen aus seinen Grundsätzen, sei es durch Zusätze positiv-rechtlicher Art ([[KKK]] 1959).
  
==Die positiven Gesetze des Staates und das Sittengesetz==
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==Auslegerin des Natürlichen Sittengesetzes==
  
"Jedes von Menschen erlassene Gesetz hat den Charakter eines Gesetzes, insoweit es mit dem natürlichen Sittengesetz, das von der rechten Vernunft erkannt wird, übereinstimmt und insbesondere die unveräußerlichen Rechte jeder [[Person]] achtet."<ref>Vgl. Hl. [[Thomas von Aquin]], [[Summa theologiae]], I-II, q. 95, a. 2: in: [[Kongregation für die Glaubenslehre]]: [[Erwägungen vom 3. Juni 2003 (Wortlaut)|Erwägungen zu den Entwürfen]] einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften [[Homosexualität|homosexueller]] Personen vom [[3. Juni]] [[2003]].</ref> „Jedes von Menschen gemachte Gesetz ist insofern rechtskräftig, als es aus dem Naturgesetz hervorgeht. Umgekehrt ist, was dem Naturgesetz widerspricht, kein Gesetz, sondern eine Verdrehung des Gesetzes“.<ref>[[Thomas von Aquin]] lehnt die Vorstellung, das Sittengesetz und das bürgerliche Gesetz dürften sich widersprechen, ab, und die Grundlage seiner Argumentation ist einleuchtend: Sie unterscheiden sich zwar, aber sie widersprechen sich nicht; sie unterscheiden sich zwar, aber sie lösen sich nicht gegenseitig auf; zwischen ihnen gibt es weder Zweideutigkeit noch Widerspruch: [[Thomas von Aquin]], [[Summa theologiae]], I-II, q. 95, a. 2 in: [[Päpstlicher Rat für die Familie]]: [[Ehe, Familie und faktische Lebensgemeinschaften]] vom [[21. November]] [[2000]] [[Ehe, Familie und faktische Lebensgemeinschaften (Wortlaut)#Die Anerkennung und Gleichstellung der faktischen Lebensgemeinschaften als Diskriminierung der Ehe|Nr. 17]]</ref>  
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Das natürliche Sittengesetz bringt den [[Wille Gottes|Willen Gottes]] zum Ausdruck, dessen treue Befolgung allen [[Mensch]]en zum [[Ewiges Leben|ewigen Heil]] notwendig ist.<ref>Vgl. {{B|Mt|7|21}}; ''[[Humanae vitae|HV]]'', [[Humanae vitae (Wortlaut)#Die Kirche als Garant der wahren Werte des Menschen|Nr. 18]].</ref> Die Auslegung des natürlichen Sittengesetzes gehört zur Aufgabe des kirchlichen [[Lehramt]]es.<ref>''[[Humanae vitae|HV]]'', [[Humanae vitae (Wortlaut)#Zuständigkeit des Lehramtes|Nr. 4]]; Vgl. [[Pius IX.]], [[Enzyklika|Enz.]] [[Qui pluribus]], 9. Nov. 1846: Pii IX. P. M. Acta, Bd. 1, S. 9-10; [[Pius X.]], [[Enzyklika|Enz.]] [[Singulari quadam]], 24. Sept. 1912: [[AAS]] 4 (1912), S. 658; [[Pius XI.]], [[Enzyklika|Enz.]] [[Casti connubii]], 31. Dezember 1930: [[AAS]] 22 (1930), S. 579-581; [[Pius XII.]], Anspr. [[Magnificate Dominum]], an den katholischen Weltepiskopat, 2. Nov. 1954: [[AAS]] 46 (1954), S. 671-672; [[Johannes XXIII.]], [[Enzyklika|Enz.]] [[Mater et magistra]], 15. Mai 1961: [[AAS]] 53 (1961), S. 457.</ref> Die [[Kirche]], welche das natürliche und [[Christliches Sittengesetz|übernatürliche Sittengesetz]] hütet, "ist (aber) nicht Urheberin dieser beiden Gesetze. Deshalb kann sie darüber nicht nach eigenem Ermessen entscheiden, sondern nur Wächterin und Auslegerin sein. Sie darf niemals etwas für erlaubt erklären, was in Wirklichkeit unerlaubt ist, weil das seiner Natur nach dem wahren Wohl des Menschen widerspricht."<ref>''[[Humanae vitae|HV]]'', [[Humanae vitae (Wortlaut)#Die Kirche als Garant der wahren Werte des Menschen|Nr. 18]].</ref> Das [[Christliches Sittengesetz |christliche Sittengesetz]] des Glaubens stützt das natürliche Sittengesetz.
  
Die Legislative des Staates ist mit politischer Verantwortung verbunden; den Politikern kommt es daher zu, (nicht auf der Ebene der Prinzipien, sondern auch auf der Ebene ihrer Anwendung) darüber zu wachen, dass es zwischen dem Sittengesetz und dem bürgerlichen Gesetz zu keiner Diskrepanz kommt-was ernste Folgen in Gegenwart und Zukunft hätte-und dass der erzieherische und kulturelle Wert der Rechtsordnung gewahrt bleibt.<ref>Schlusserklärung des 2. Kongresses der europäischen Politiker und Gesetzgeber über die Menschenrechte und die Familie, in L’[[Osservatore Romano]], 26.2.1999: „Als Politiker und Gesetzgeber, die der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 treu verbunden bleiben wollen, verpflichten wir uns, die Rechte der in der [[Ehe]] zwischen einem Mann und einer Frau begründeten Familie zu verteidigen und zu fördern. Und zwar auf allen Ebenen: auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene. Nur so können wir uns sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene wirklich in den Dienst des am Gemeinwohls stellen“: [[Päpstlicher Rat für die Familie]]: [[Ehe, Familie und faktische Lebensgemeinschaften]] vom [[21. November]] [[2000]] [[Ehe, Familie und faktische Lebensgemeinschaften (Wortlaut)#Die Anerkennung und Gleichstellung der faktischen Lebensgemeinschaften als Diskriminierung der Ehe|Nr. 17]].</ref>
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==Wiederherstellung des Sittengesetzes==
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Die [[Buße]] ([[Sühne]]) ist ihrer Natur nach eine Anerkennung und Wiederherstellung der sittlichen Weltordnung, die auf dem [[Ewiges Gesetz|ewigen Gesetz]], das heißt auf [[Gott]] selbst, beruht. Wer Gott für die [[Sünde]] [[Genugtuung]] leistet, anerkennt damit ohne weiteres die Heiligkeit der höchsten Sittengesetze, ihre innere verpflichtende Macht und die Notwendigkeit einer Genugtuung gegenüber ihrer Verletzung.<ref>[[Pius XI.]]: [[Enzyklika]] [[Caritate Christi compulsi]] vom [[3. Mai]] [[1932]], [[Caritate Christi compulsi (Wortlaut)#Als Mittel zur Sühneleistung|Nr. 24]].</ref>
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==Die "Neue [[Moral]]" der [[Situationsethik]] (heute)==
  
 
==Päpstliche Schreiben==
 
==Päpstliche Schreiben==
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* [[Denzinger-Hünermann]] L1c – Das Vernunftgebot als Naturgesetz und d - Die Gründung des Naturgesetzes in [[Gott]]
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'''[[Pius IX.]]'''
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* 8. Dezember 1864 ''[[Syllabus errorum]]'', wesentliche Zeitirrtümer des [[19. Jahrhundert]]s [[Syllabus errorum (Wortlaut)#§ VII. Irrtümer über das natürliche und das christliche Sittengesetz.|Nr. 56]]
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'''[[Leo XIII.]]'''
 
'''[[Leo XIII.]]'''
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* 20. Juni 1888 [[Enzyklika]] ''[[Libertas praestantissimum]]'', über die [[Freiheit]] und den [[Irrtum]] des [[Liberalismus]].
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* [[15. Mai]] [[1891]] [[Enzyklika]] ''[[Rerum novarum]]'' über die Arbeiterfrage.
 
* [[1. November]] [[1900]] [[Enzyklika]] ''[[Tametsi futura]]'' über den göttlichen [[Erlöser]].
 
* [[1. November]] [[1900]] [[Enzyklika]] ''[[Tametsi futura]]'' über den göttlichen [[Erlöser]].
  
 
'''[[Pius XII.]]'''
 
'''[[Pius XII.]]'''
 
* [[20. Oktober]] [[1939]]  [[Antrittsenzyklika]] ''[[Summi pontificatus]]'' über die Not und Irrtümer unserer Zeit und deren Überwindung in [[Christus]], [[Summi pontificatus (Wortlaut)#Leugnung des Sittengesetzes, das Europa seinen geistigen Zusammenhalt gab|Nr. 28]].
 
* [[20. Oktober]] [[1939]]  [[Antrittsenzyklika]] ''[[Summi pontificatus]]'' über die Not und Irrtümer unserer Zeit und deren Überwindung in [[Christus]], [[Summi pontificatus (Wortlaut)#Leugnung des Sittengesetzes, das Europa seinen geistigen Zusammenhalt gab|Nr. 28]].
* 18. April 1952 Ansprache ''[[Soyez les bienvenues]]'' an den Kongress des Weltbundes der katholischen weiblichen [[Jugend]] über [[Situationsethik]] und christliche Sittenlehre.([[AAS]] XLIV [1952] 413-419).
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* [[25. September ]] [[1949]] [[Ansprache ]] ''[[De grand coeur]]'' an die Teilnehmer des Internationalen Kongresses für humanistische Studien über das Naturgesetz als Grundnorm.
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* 18. April 1952 Ansprache ''[[Soyez les bienvenues]]'' an den Kongress des Weltbundes der katholischen weiblichen [[Jugend]] über [[Situationsethik]] und christliche Sittenlehre ([[AAS]] XLIV [1952] 413-419).
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'''[[Johannes XXIII.]]'''
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* 11. April 1963 [[Enzyklika]] ''[[Pacem in terris]]'' über den [[Friede]]n unter allen Völkern in [[Wahrheit]], [[Gerechtigkeit]].
  
 
'''[[Paul VI.]]'''
 
'''[[Paul VI.]]'''
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'''[[Johannes Paul II.]]'''
 
'''[[Johannes Paul II.]]'''
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* 10. April 1986 Ansprache ''[[Niemals ein Kompromiss mit dem Irrtum]]'' an die Teilnehmer des Internationalen Kongresses für [[Moraltheologie]].
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* 1992 ''[[Katechismus der Katholischen Kirche]]'', Nr. 1954-1960.
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* 6. August 1993 [[Enzyklika]] ''[[Veritatis splendor]]'' über einige grundlegende Fragen der kirchlichen [[Moral]]lehre, Nr. 40–53.
 
* [[24. Mai]] [[1995]] [[Enzyklika]] ''[[Evangelium vitae]]'' über den Wert und die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens, [[Evangelium vitae (Wortlaut)#»Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen« (Apg 5, 29): Staatliches Gesetz und Sittengesetz|Nr. 68-74]].
 
* [[24. Mai]] [[1995]] [[Enzyklika]] ''[[Evangelium vitae]]'' über den Wert und die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens, [[Evangelium vitae (Wortlaut)#»Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen« (Apg 5, 29): Staatliches Gesetz und Sittengesetz|Nr. 68-74]].
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'''[[Benedikt XVI.]]'''
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* [[29. Juni]] [[2009]] [[Enzyklika]] ''[[Caritas in veritate]]'' über die ganzheitliche Entwicklung des [[Mensch]]en in der [[Liebe]] und in der [[Wahrheit]].
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* 13. Februar 2010 [[Ansprache]] ''[[Bioethik und Natürliches Sittengesetz]]'' an die Teilnehmerinnen der Vollversammlung der [[Päpstliche Akademie für das Leben|Päpstlichen Akademie für das Leben]].
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'''siehe:''' [[Altes Gesetz]], [[Goldene Regel]]
  
 
==Weblinks==
 
==Weblinks==
* [http://www.kath.net/news/55677 Die Menschenwürde – Quelle der Rechte. Das natürliche Sittengesetz] Ansprache von Papst [[Benedikt XVI.]] an die „Akademie des Lebens“ vom 13. Februar 2010.
+
*[https://radiomaria.bz.it/01_audiodaten/radioakademie_im_glaubensforum/moraltheologie/RA_170116_Kampowski_Prof_Dr_Stephan-Moraltheologie-Was_wir_wirklich_wollen-Liebe_Tugend_und_die_wahre_Freiheit-Teil_8_1.mp3 Das natürliche Sittengesetz und die Natur des Menschen] von [[Stephan Kampowski]] bei [[Radio Maria Südtirol]] (ca. 2016/2017)
 +
* [http://www.stjosef.at/morallexikon/natuerli.htm Natürliches sittliches Gesetz] im [[Lexikon der christlichen Moral]] von [[Karl Hörmann]]
  
 
== Anmerkungen ==
 
== Anmerkungen ==

Aktuelle Version vom 10. August 2019, 17:21 Uhr

Disambig.png Sittengesetz meint in der Kathpedia meistens Natürliches Sittengesetz - siehe Einteilungen im Artikel: Sittliches Gesetz

Die von Gott dem Menschen ins Herz eingemeißelten Gesetze (vgl. Röm 2,12-16 EU) werden Mose als die Zehn Gebote geoffenbart (Ex 20,1-17 EU)

Das Natürliche Sittengesetz (lat.: lex moralis naturalis; moralisches Naturgesetz, Sittenordnung) ist die für jeden gültige, nähere objektive Sittennorm, aus der die menschliche Erkenntnis das sittliche Gesetz unmittelbar schöpft, das der Mensch mit dem Licht der Vernunft aus seiner Natur abliest oder ableitet.[1]

Das Natürliche Sittengesetz ist Ausfluss des ewigen Gesetzes,[2] gründet in der allen Menschen gemeinsamen Vernunft und ist die Grundlage der Zusammenarbeit aller Menschen guten Willens, welche religiösen Überzeugungen sie auch haben mögen.[3]

„Das Gesetz der Natur ist nichts anderes, als das von Gott in uns hineingelegte Licht der Vernunft. Durch das natürliche Sittengesetz erkennen wir, was zu tun und was zu meiden ist.“[4] Es ermöglicht, zwischen Gut und Böse,[5] Wahrheit und Lüge, (KKK 1954) Erlaubtheit und Unerlaubtheit[6] zu unterscheiden. Die Sittennorm ist der Wertmaßstab für die Güte oder Schlechtigkeit des Menschen schlechthin; sie betrifft die sittliche Beschaffenheit.[7]

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Der Weg des Menschen, das sittlich natürliche Endziel zu erreichen

„Die Kenntnis des göttlichen und natürlichen Sittengesetzes“ (GS 89,1) zeigt dem Menschen den Weg, an den er sich halten muß, um das Gute zu tun und sein Ziel zu erreichen. Das natürliche Sittengesetz drückt die ersten, wesentlichen Gebote aus, die das sittliche Leben regeln. Angelpunkt des Sittengesetzes ist das Verlangen nach Gott und die Unterordnung unter ihn, den Quell und Richter alles Guten, sowie der Sinn für den Mitmenschen als ein ebenbürtiges Wesen. In seinen Hauptgeboten wird es im Dekalog vorgelegt. Dieses Gesetz wird nicht in Bezug auf die Natur der vernunftlosen Wesen natürlich genannt, sondern weil die Vernunft, die es verkündet, zur menschlichen Natur gehört (KKK 1955).

"Das natürliche Sittengesetz drückt die Ziele, Rechte und Pflichten aus, die sich auf die leibliche und geistige Natur der menschlichen Person gründen, und schreibt sie so zugleich vor. Deshalb muss es als vernunftgemäße Ordnung definiert werden, der entsprechend der Mensch vom Schöpfer gerufen ist, sein Leben und seine Handlungen zu leiten und zu regeln." (VS, Nr. 50).[8] Das natürliche Sittengesetz ist eine Teilhabe des nach dem Bilde seines Schöpfers geschaffenen Menschen an der Weisheit und Güte Gottes. Es bringt die Würde der menschlichen Person zum Ausdruck und bildet die Grundlage ihrer Grundrechte und -pflichten (KKK 1978).

Wie in allen anderen Geschöpfen ist die dem Menschen auferlegte sittliche Ordnung nichts anderes als Ausdruck und Forderung seines eigenen Wesens. Inhaltlich fordert das sittliche Naturgesetz nicht mehr, als dass der Mensch in jeder Situation seinem Sein entsprechend handle; also sein Sein im Handeln fortsetze und nicht tätig verleugne; jede Verfehlung gegen das natürliche Sittengesetz kann man als eine Tatlüge bezeichnen.[9]

Das sittliche Endziel des Menschen zu erreichen, verlangt die Leiblichen Werke der Barmherzigkeit (vgl. Mt 25,31-46 EU)

[Bearbeiten] Das natürliche Sittengesetz ist ins Herz geschrieben und unveränderlich

Dem Menschen ist das Natürliche Sittengesetz von Gott in sein Herz geschrieben, dem zu gehorchen seine Würde ist und gemäß dem er gerichtet werden wird (GS, Nr. 16; [10]). Er ist der allmächtige Schöpfer und Vater aller, ihr höchster und unabhängiger Gesetzgeber, der allwissende und gerechte Vergelter der menschlichen Handlungen. Es ist jene Stimme, die Verantwortung für die eigenen Taten vor einem höchsten Richter predigt (SP, Nr. 28). Was nicht der Wahrheit und dem Sittengesetz entspricht, hat objektiv kein Recht auf Dasein, Propaganda und Aktion (Pius XII.).

Das natürliche Sittengesetz ist unveränderlich (Vgl. GS 10) und überdauert die geschichtlichen Veränderungen. In der Flut der Vorstellungen und der Sitten bleibt es bestehen und unterstützt ihren Fortschritt. Die Regeln, die es wiedergeben, bleiben dem Wesen nach gültig. Selbst wenn man es einschließlich seiner Grundsätze bestreitet, kann man es weder zerstören noch aus dem Herzen des Menschen reißen. Es taucht im Leben der einzelnen Menschen und der Gesellschaften immer wieder auf (KKK 1958).

Die Anwendung des natürlichen Sittengesetzes ist vielfältig; sie kann ein Nachdenken erfordern, das die je nach Ort, Zeit und Umständen vielfach verschiedenen Lebensbedingungen berücksichtigt. Dennoch bleibt in der Mannigfaltigkeit der Kulturen das natürliche Gesetz eine Regel, welche die Menschen untereinander verbindet und ihnen über die unvermeidlichen Unterschiede hinaus gemeinsame Grundsätze auferlegt (KKK 1957).

Das Gewissen der Menschen und die Überlieferungen der Völker bezeugen das natürliche Sittengesetz. Zwar ist beim Menschen infolge der Erbsünde der Blick durch Leidenschaft und schlechte Neigungen und Gewohnheiten vielfach gefesselt, so dass nicht alle Menschen in allen Fragen das natürlichen Sittengesetz richtig erkennen; aber es bleibt bemerkenswert, dass wenigstens in den Kernpunkten bei allen Völkern und zu allen Zeiten eine einheitliche sittliche Auffassung besteht. Es gibt z. B. kein Volk. das Wahrhaftigkeit und Unwahrhaftigkeit einfachhin für sittlich gleichwertig erachtet.[11] Der Mensch ist jedoch durch die Erbsünde nicht imstande, das natürliche Sittengesetz in seiner Ganzheit ohne Mithilfe der Gnade zu erfüllen, wenn er auch einzelne gute Werke tun kann,[12]

[Bearbeiten] Das natürliche Sittengesetz - Boden für das staatliche Gesetz

Das Natürliche Sittengesetz ist allgemeingültig, d.h. für das Leben jedes Einzelnen und das Leben der Gesellschaft, wie für die Beziehungen der Staaten untereinander (SP, Nr. 28; IM, 6). Jedes Grundrecht des Menschen leitet seine Gültigkeit aus dem Naturgesetz her (PT Nr. 30).

Das natürliche Sittengesetz liefert als sehr gutes Werk des Schöpfers das feste Fundament, auf dem der Mensch das Gebäude der moralischen Regeln aufbauen kann, die seine Entscheidungen leiten sollen. Es ist auch die unerläßliche sittliche Grundlage für den Aufbau der menschlichen Gemeinschaft (Grundlage der Zivilisation[13]). Es bietet schließlich den notwendigen Boden für das staatliche Gesetz, das an es gebunden bleibt, sei es durch Schlussfolgerungen aus seinen Grundsätzen, sei es durch Zusätze positiv-rechtlicher Art (KKK 1959).

[Bearbeiten] Auslegerin des Natürlichen Sittengesetzes

Das natürliche Sittengesetz bringt den Willen Gottes zum Ausdruck, dessen treue Befolgung allen Menschen zum ewigen Heil notwendig ist.[14] Die Auslegung des natürlichen Sittengesetzes gehört zur Aufgabe des kirchlichen Lehramtes.[15] Die Kirche, welche das natürliche und übernatürliche Sittengesetz hütet, "ist (aber) nicht Urheberin dieser beiden Gesetze. Deshalb kann sie darüber nicht nach eigenem Ermessen entscheiden, sondern nur Wächterin und Auslegerin sein. Sie darf niemals etwas für erlaubt erklären, was in Wirklichkeit unerlaubt ist, weil das seiner Natur nach dem wahren Wohl des Menschen widerspricht."[16] Das christliche Sittengesetz des Glaubens stützt das natürliche Sittengesetz.

[Bearbeiten] Wiederherstellung des Sittengesetzes

Die Buße (Sühne) ist ihrer Natur nach eine Anerkennung und Wiederherstellung der sittlichen Weltordnung, die auf dem ewigen Gesetz, das heißt auf Gott selbst, beruht. Wer Gott für die Sünde Genugtuung leistet, anerkennt damit ohne weiteres die Heiligkeit der höchsten Sittengesetze, ihre innere verpflichtende Macht und die Notwendigkeit einer Genugtuung gegenüber ihrer Verletzung.[17]

[Bearbeiten] Die "Neue Moral" der Situationsethik (heute)

[Bearbeiten] Päpstliche Schreiben

Pius IX.

Leo XIII.

Pius XII.

Johannes XXIII.

Paul VI.

Johannes Paul II.

Benedikt XVI.

siehe: Altes Gesetz, Goldene Regel

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Anmerkungen

  1. Bernard Kälin: Lehrbuch der Philosophie II, Ethik, umgearbeitet von Raphael Fäh OSB, Selbstverlag Benediktinerkolleg Sarnen 1954, Nr. 85 (2. Auflage; Imprimatur Curiae, die 8, Juni 1954 † Christianus Caminada Episcopus); SP, Nr. 28.
  2. participatio legis aeternae in rationali creatura: Thomas von Aquin: ‚Summa theologiae I, 2, q. 91 ad 2.
  3. Internationale Theologische Kommission: Auf der Suche nach einer universalen Ethik: ein neuer Blick auf das natürliche Sittengesetz 2009, Nr. 9.
  4. Veritatis splendor 1993, Nr. 40: Thomas von Aquin, dec. præc. prol.: KKK 1955); Die menschliche Vernunft ist es selbst, die recht zu handeln befiehlt und zu sündigen verbietet (LP, Nr. 8).
  5. (Catechismus Romanus, III Teil, Nr. 3).
  6. "Es ist jene Stimme, die auch den Ungebildeten und selbst noch den unzivilisierten Wilden lehrt, was gut und was böse ist, erlaubt und unerlaubt. :SP, Nr. 28).
  7. Bernard Kälin: Lehrbuch der Philosophie II, Ethik, Nr. 85.
  8. Kongregation für die Glaubenslehre: Instruktion Donum vitae vom 22. Februar 1987, Nr. 3.
  9. Erzbischof Wendelin Rauch (Hg.): Lexikon des katholischen Lebens, Herder Verlag Freiburg im Breisgau 1952, Sp. 1099 - Sittengesetz‚ (1352 Spalten).
  10. Röm 2,14–15 EU; Motu proprio Spes aedificandi mundum zur Ausrufung der heiligen Birgitta von Schweden, der heiligen Katharina von Siena und der heiligen Teresia Benedicta a Cruce zu Mitpatroninnen Europas vom 1. Oktober 1999, Nr. 10
  11. Lexikon des katholischen Lebens, S. 1099.
  12. Kommentar zu St I, q. 62 a. 2 in: Die deutsche Thomas-Ausgabe, Band 4, S. 620.
  13. Reconciliatio et paenitentia, Nr. 26.
  14. Vgl. Mt 7,21 EU; HV, Nr. 18.
  15. HV, Nr. 4; Vgl. Pius IX., Enz. Qui pluribus, 9. Nov. 1846: Pii IX. P. M. Acta, Bd. 1, S. 9-10; Pius X., Enz. Singulari quadam, 24. Sept. 1912: AAS 4 (1912), S. 658; Pius XI., Enz. Casti connubii, 31. Dezember 1930: AAS 22 (1930), S. 579-581; Pius XII., Anspr. Magnificate Dominum, an den katholischen Weltepiskopat, 2. Nov. 1954: AAS 46 (1954), S. 671-672; Johannes XXIII., Enz. Mater et magistra, 15. Mai 1961: AAS 53 (1961), S. 457.
  16. HV, Nr. 18.
  17. Pius XI.: Enzyklika Caritate Christi compulsi vom 3. Mai 1932, Nr. 24.
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