La famiglia è la culla

Aus Kathpedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Rundfunkansprache
La famiglia è la culla

im Pontifikat von Papst
Pius XII.
zum »Tag der Familie" der Katholischen Aktion Italiens
über das Wesen des christlichen Gewissens, seine Bedeutung und Stellung innerhalb der christlichen Moral und über die Gewissenserziehung
23. März 1952
(Offizieller lateinischer Text AAS XLIV [1952] 270-278)

(Quelle: Herder-Korrespondenz, Sechster Jahrgang 1951/52; Achtes Heft, Mai 1952, S. 401-402)
Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Inhaltsverzeichnis

Einleitend

Die Familie ist die Wiege, in der ein neues Leben entsteht und sich entwickelt. Damit es nicht zugrunde geht, bedarf es der Sorge und Erziehung. Dies ist das Grundrecht und die Grundpflicht der Eltern, die Gott ihnen unmittelbar verliehen und auferlegt hat. Inhalt und Ziel der Erziehung in der natürlichen Ordnung ist die Entwicklung des Kindes zu einem vollen Menschen. Inhalt und Ziel der christlichen Erziehung ist die Bildung des neuen, in der Taufe wiedergeborenen menschlichen Wesens zu einem vollkommenen Christen. Diese Pflicht war immer schon Brauch und Stolz der christlichen Familien. Sie ist im Canon 1113 des kirchlichen Rechtsbuches feierlich festgelegt. Dieser lautet: "Die Eltern haben die schwere Verpflichtung, mit allen Kräften für die religiöse und sittliche, körperliche und bürgerliche Erziehung ihrer Kinder zu sorgen und auch für ihr zeitliches Wohl Vorsorge zu treffen."

Die dringendsten Fragen dieses weitläufigen Gegenstandes sind verschiedentlich von Unseren Vorgängern und von Uns selbst geklärt worden. Deshalb wollen Wir jetzt nicht wiederholen, was schon ausführlich dargelegt worden ist. Wir möchten aber auf eine Grundwirklichkeit aufmerksam machen, die die Grundlage und Stütze der Erziehung, besonders der christlichen Erziehung ist, die aber einigen auf den ersten Blick als nebensächlich erscheint. Wir wollen von dem sprechen, was zutiefst und zuinnerst im Menschen ist: sein Gewissen. Wir sind darüber unterrichtet, dass einige Strömungen des modernen Denkens beginnen, den Begriff des Gewissens zu entstellen und seinen Wert anzufechten. Wir wollen also das Gewissen behandeln, insofern es Gegenstand der Erziehung ist.

Das Gewissen ist sozusagen der innerste und geheimste Kern des Menschen. Dorthin zieht er sich mit seinem Geist zurück, in vollständige Einsamkeit: allein mit sich selbst, -oder besser, allein mit Gott - dessen Stimme im Gewissen widerklingt - und mit sich selbst. Hier entscheidet er sich für das Gute oder für das Böse. Hier trifft er die Wahl zwischen dem Weg des Sieges und dem der Niederlage. Auch wenn er wollte, könnte der Mensch es niemals abwerfen. Mit dem Gewissen, mag es loben oder verurteilen, durchläuft er den ganzen Weg des Lebens, und ebenso wird es sein wahrhaftiger und unbestechlicher Zeuge sein, wenn er sich, dem Gericht Gottes stellt. Das Gewissen ist also, um ein ebenso altes wie würdiges Bild zu gebrauchen, ein "adyton", ein Heiligtum, auf dessen Schwelle alle Halt machen müssen; auch, wenn es sich um ein Kind handelt, der Vater und die Mutter. Nur der Priester hat Eintritt als Seelsorger und als Verwalter des Bußsakramentes, und auch für ihn hört das Gewissen nicht auf, ein sorgsam gehütetes Heiligtum zu sein, dessen Geheimnis Gott selbst durch das Siegel heiligsten Stillschweigens geschützt wissen will. In welchem Sinn also kann man von der Erziehung des Gewissens sprechen?

Das Wesen des christlichen Gewissens

Um genau zu verstehen, dass das Gewissen erzogen werden kann und muss, ist es von Nutzen, auf einige Grundbegriffe der katholischen Lehre einzugehen.

Der göttliche Heiland hat dem unwissenden und schwachen Menschen seine Wahrheit und seine Gnade gebracht. Die Wahrheit, um ihm den Weg zu weisen, der zu seinem Ziele führt; die Gnade, um ihm die Kraft zu geben, dass er dieses Ziel erreichen kann.

Diesen Weg zu durchlaufen, bedeutet in der Praxis, den Willen und die Gebote Christi anzunehmen und nach ihnen das Leben auszurichten, d. h. alle einzelnen Akte, die inneren wie die äußeren, die der freie menschliche Wille erwählt und für die er sich entscheidet. Welches ist nun das Seelenvermögen, das im Einzelfall dem Willen zeigt, welche Akte dem göttlichen Willen gemäß sind, damit der Wille wähle und entscheide, wenn nicht das Gewissen? Es ist also das getreue Echo, der reine Widerhall der göttlichen Norm in den menschlichen Handlungen. Ausdrucksweisen, wie: "das Urteil des christlichen Gewissens" oder "nach dem christlichen Gewissen urteilen" haben also folgenden Sinn: die Norm für die letzte und persönliche Entscheidung über eine sittliche Handlung wird genommen aus dem Wort und aus dem Willen Christi. Er ist in der Tat Weg, Wahrheit und Leben, nicht nur für alle Menschen insgesamt, sondern für jeden einzelnen (vgl. Joh. 14,6). Er ist es für den reifen Menschen, und er ist es für das Kind und den Jugendlichen.

Daraus ergibt sich, dass die Bildung des christlichen Gewissens eines Kindes oder eines Jugendlichen vor allem darin besteht, ihren Geist über den Willen Christi, sein Gesetz und seinen Weg aufzuklären und außerdem auf ihre Gesinnung einzuwirken, soweit sich das von außen her machen lässt, um sie zu einer freien und beständigen Erfüllung des göttlichen Willens anzuleiten. Dies ist die höchste Aufgabe der Erziehung.

Voraussetzungen und Quellen der Gewissenserziehung

Aber wo finden der Erzieher und der Zögling im Konkreten leicht und sicher das christliche Sittengesetz? In dem Gesetz, das der Schöpfer dem Herzen eines jeden eingeprägt hat (vgl. Röm. 2, 14-16), und in der Offenbarung, d. h. in der Gesamtheit der Wahrheiten und Gebote, die der göttliche Meister gelehrt hat. Beides, das Gesetz, das ins Herz geschrieben ist, d. h. das Naturgesetz, und die Wahrheiten und Gebote der übernatürlichen Offenbarung, hat Jesus, der Erlöser, als den sittlichen Schatz der Menschheit in die Hand seiner Kirche gelegt, damit diese sie allen Geschöpfen verkündige, sie erläutere und sie von einer Generation zur anderen weitergebe, unberührt und vor jeder Entstellung und jedem Irrtum geschützt.

Irrtümer in der Bildung und Erziehung des christlichen Gewissens

Vorgebliche Reform der sittlichen Normen

Gegen diese Lehre, die durch lange Jahrhunderte unangefochten war, erheben sich jetzt Schwierigkeiten und Einwände, die geklärt werden müssen.

Wie in der dogmatischen Lehre, so möchte man auch in der katholischen Sittenordnung eine radikale Revision vornehmen, um daraus eine neue Wertung abzuleiten. Der erste Schritt, oder besser gesagt der erste Schlag gegen das Gebäude der christlichen sittlichen Normen soll darin bestehen, dass man sie loslöst von der, wie man behauptet, beengenden und bedrückenden Überwachung durch die Autorität der Kirche. Die Moral soll von den Spitzfindigkeiten der kasuistischen Methode befreit, zu ihrer ursprünglichen Form zurückgeführt und einfach hin der Einsicht und der Bestimmung des individudlen Gewissens anheimgestellt werden.

Jeder sieht, zu welch unheilvollen Folgen eine solche Umwälzung der eigentlichen Grundlagen der Erziehung führen würde.

Wir unterlassen es, auf die offenbare Unerfahrenheit und Unreife des Urteils derjenigen hinzuweisen, die derartige Meinungen vertreten. Doch wird es nützlich sein, den Hauptfehler dieser "neuen Moral" ins Licht zu setzen. Sie stellt jedes sittliche Kriterium dem persönlichen Gewissen anheim, das, stolz in sich verschlossen, der absolute Richter über seine Entscheidungen ist. So ist sie weit davon entfernt, ihm den Weg zu erleichtern; sie würde es vielmehr von dem eigentlichen Weg, der da Christus ist" abbringen.

Der göttliche Erlöser hat seine Offenbarung, zu der die Sittlichen Pflichten als wesentlicher Bestandteil gehören, nicht etwa den einzelnen Menschen anvertraut, sondern seiner Kirche, der er den Auftrag gegeben hat, die Menschen zu führen, damit sie in Treue sein heiliges Vermächtnis annehmen.

Ebenso ist der göttliche Beistand, der dazu bestimmt ist, die Offenbarung vor Irrtümern und Entstellungen zu bewahren, der Kirche versprochen worden, nicht den einzelnen. Auch dies geschah in weiser Voraussicht. Denn die Kirche als lebendiger Organismus vermag auf diese Weise auch die sittlichen Wahrheiten sicher und leicht zu erläutern, zu vertiefen und unter Wahrung ihres Wesensgehaltes auf die veränderlichen Umstände von Ort und Zeit anzuwenden. Man denke z. B. an die Soziallehre der Kirche, die sich den Forderungen der Neuzeit anzupassen wußte und doch im Grunde nur eine Anwendung der unveränderlichen christlichen Moral auf die gegenwärtigen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse ist.

Wie ist es also möglich, die sorgsame Anordnung des Erlösers, der der Kirche die Obhut über das Erbgut der christlichen Sittenlehre anvertraute, mit einer Art individualistischer Autonomie des Gewissens zu vereinen? Ein Gewissen, das aus seinem natürlichen Klima herausgezogen wird, kann nichts als giftige Früchte hervorbringen. Man erkennt sie beim bloßen Vergleich mit einigen Kennzeichen der überkommenen christlichen Lebensweise und Vollkommenheit, deren Vortrefflichkeit durch die unvergleichlichen Werke der Heiligen bewiesen wird.

Die "neue Moral" stellt die Behauptung auf, dass die Kirche, statt das Gesetz der menschlichen Freiheit und Liebe zu pflegen und es mit Nachdruck zur treibenden Kraft des sittlichen Lebens zu machen, fast ausschließlich und mit übertriebener Strenge auf der Festigkeit und Unbeugsamkeit der christlichen Sittengesetze besteht und häufig ihre Zuflucht nimmt zu dem: "Ihr seid verpflichtet", und "Es ist nicht erlaubt", was doch allzu sehr nach demütigender Pedanterie schmeckt.

Die sittlichen Vorschriften der Kirche für die Gewissenserziehung im persönlichen Leben

Nun will aber die Kirche, und sie hebt es ausdrücklich hervor, wenn es sich um die Bildung der Gewissen handelt, dass der Christ in die unendlichen Reichtümer des Glaubens und der Gnade in überzeugender Form eingeführt werde, so dass er sich angeregt fühlt, tief in sie einzudringen.

Die Kirche kann aber nicht darauf verzichten, die Gläubigen zu ermahnen, dass diese Reichtümer nur um den Preis genauer sittlicher Verpflichtungen erworben und bewahrt werden können. Ein anderes Verhalten würde damit enden, dass man einen beherrschenden Grundsatz in Vergessenheit geraten lässt, auf dem Jesus, der Herr und Meister, immer bestanden hat. Er lehrte nämlich, dass es, um in das Himmelreich einzugehen, nicht genügt, "Herr, Herr" zu sagen, sondern man muss den Willen des himmlischen Vaters tun (vgl. Matth. 7,21). Er hat von der "engen Pforte" und von dem "schmalen Weg" gesprochen, der zum Leben führt (vgl. Matth. 7,13 bis 14), und hat hinzugefügt: "Bemüht euch, durch die enge Pforte einzutreten. Denn ich sage euch: Viele werden einzutreten suchen, es aber nicht vermögen" (Luk. 13, 24). Er hat als Prüfstein und Kennzeichen für die Liebe zu ihm, zu Christus, die Beobachtung der Gebote aufgestellt (Joh. 14, 21-24). Ähnlich sagt er zum reichen Jüngling, der ihn befragt: "Wenn du zum Leben eingehen willst, so halte die Gebote"; und auf die weitere Frage: "welche?" antwortet er: "Du sollst nicht töten, du sollst nicht Ehebruch begehen, du sollst nicht stehlen, du sollst kein falsches Zeugnis geben, du sollst Vater und Mutter ehren und deinen Nächsten lieben wie dich selbst!" Er hat jedem, der ihm nachfolgen will, die Bedingung gestellt, auf sich selbst zu verzichten und jeden Tag das Kreuz auf sich zu nehmen (vgl. Luk. 9, 23). Er fordert, dass der Mensch bereit sei, für ihn und seine Sache zu verlassen, was ihm das Teuerste ist: Vater, Mutter, die eigenen Kinder und sogar das höchste Gut, das eigene Leben (vgl. Matth. 10, 37-39). Ferner fügt er hinzu: "Ich sage euch, meine Freunde, fürchtet nicht die, die den Leib töten und dann nichts mehr tun können. Ich will euch zeigen, wen ihr fürchten müsst: Fürchtet den, der, nachdem er das Leben genommen hat, die Macht besitzt, in die Hölle zu stürzen" (Luk. 12,4-5).

So sprach Jesus Christus, der göttliche Lehrmeister, der sicherlich besser als die Menschen in die Herzen einzudringen und sie mit den unendlichen Vollkommenheiten seines Herzens, das voll der Güte und Liebe ist (Lit. v. heiligsten Herzen Jesu), an seine Liebe zu fesseln vermag.

Und hat vielleicht der Völkerapostel Paulus anders gepredigt? Mit seiner glühenden Überzeugungskraft hat er den geheimnisvollen Zauber der übernatürlichen Welt entschleiert, und die Größe und den Glanz des christlichen Glaubens dargelegt, die Reichtümer, die Kraft, den Segen, das Glück, die in ihm beschlossen sind. Er bot sie den Seelen dar als würdigen Gegenstand der Freiheit des Christen und als unwiderstehliches Ziel für die reine, liebende Hingabe.

Aber es ist nicht weniger wahr, dass auch er Ermahnungen gibt wie diese: "Wirkt euer Heil in Furcht und Zittern" (Phil. 2,12), und dass auch aus seiner Feder hohe sittliche Vorschriften geflossen sind, die für alle Gläubigen, gewöhnliche Geister und hochgemute Seelen, bestimmt waren. Nimmt man nun die Worte Christi und des Apostels als strenge Norm, müsste man dann nicht vielleicht sagen, dass die Kirche von heute eher zur Nachgiebigkeit als zur Strenge neigt? So trifft die Anklage wegen drückender Härte, die die "neue Moral" gegen die Kirche erhebt, in Wirklichkeit an erster Stelle die anbetungswürdige Person Christi.

Im Bewusstsein des Rechtes und der Pflicht des Apostolischen Stuhles, wenn nötig mit Autorität in die sittlichen Fragen einzugreifen, haben Wir es Uns an Unserer Rede vom 29. Oktober des letzten Jahres zur Aufgabe gemacht, die Gewissen über die Probleme des ehelichen Lebens aufzuklären. Mit derselben Autorität erklären Wir heute den Erziehern und der Jugend selbst: Das göttliche Gebot der Reinheit der Seele und des Leibes gilt ohne Abschwächung auch für die heutige Jugend. Auch sie hat die sittliche Pflicht und mit Hilfe der Gnade, die Möglichkeit, sich rein zu erhalten. Wir weisen also die Behauptung derer als irrig zurück, die die Niederlagen in den Jahren der Pubertät für unvermeidbar halten, für Dinge, die es nicht verdienen, dass man von ihnen viel Aufhebens macht, als wären sie keine schwere Schuld. Denn gewöhnlich, fügen jene hinzu, hebt die Leidenschaft die Freiheit auf, die für die sittliche Verantwortlichkeit eines Aktes notwendig ist.

Im Gegensatz zu dieser Meinung ist es eine verpflichtende und weise Regel, dass der Erzieher nicht versäumt, den jungen Menschen die hohen Werte der Reinheit darzustellen, um sie dahin zu führen, sie zu lieben rund für persönlich erstrebenswert zu halten. Auf alle Fälle sollen die Erzieher klar das Gebot als solches, in seiner ganzen Schwere und Ernsthaftigkeit, als göttliche Anordnung erklären. So werden sie die jungen Menschen anspornen, die nächsten Gelegenheiten zu meiden; der Erzieher wird sie stärken in einem Kampf, dessen Härte er ihnen nicht verheimlichen wird; er wird sie dahin führen, dass sie mutig die Opfer bringen, die die Tugend fordert, und er wird sie ermahnen, auszuhalten und nicht der Gefahr zu erliegen, die Waffen schon am Anfang wegzuwerfen und widerstandslos den verkehrten Gewohnheiten sich zu ergeben .

. . . und im öffentlichen Leben

Noch mehr als auf dem Gebiete des privaten Lebens wollen heute viele die Geltung des Sittengesetzes aus dem öffentlichen, wirtschaftlichen und sozialen Leben, aus der Tätigkeit der öffentlichen Gewalten im Innern und Äußern, im Frieden und im Kriege, ausschließen, als wenn Gott dazu nichts, wenigstens nichts unbedingt Verpflichtendes zu sagen hätte.

Die Verselbständigung der äußeren menschlichen Tätigkeiten, z. B. der Wissenschaften, der Politik, der Kunst, gegenüber der Moral wird zuweilen in philosophischer Art mit der Autonomie begründet, die ihnen zusteht, sich auf ihrem Gebiet ausschließlich nach den eigenen Gesetzen zu richten, wenn man auch zugibt, dass diese für gewöhnlich mit den sittlichen Gesetzen zusammenfallen. Als Beispiel zieht man die Kunst heran. Man leugnet nicht nur jede Abhängigkeit, sondern sogar jede Beziehung zwischen ihr und der Moral und sagt: Die Kunst ist nur Kunst, und nicht Moral, und auch nichts sonst. Sie richtet sich allein nach den Gesetzen der Ästhetik, die im übrigen als solche sich nicht dazu hergeben, der Sinnlichkeit zu dienen. In ähnlicher Weise spricht man von der Politik und von der Wirtschaft, die es nicht nötig haben, von anderen Wissenschaften Rat anzunehmen, und deshalb auch nicht von der Ethik, die indes, geleitet von ihren eigenen wahren Gesetzen, schon dadurch gut und gerecht sind.

Wie man sieht, ist das eine subtile Art, die Gewissen der Herrschaft der sittlichen Gesetze zu entziehen. Man kann in der Tat nicht leugnen, dass solche Autonomien gerechtfertigt sind, insoweit sie die eigentümliche Methode jeder Tätigkeit und die Grenzen zwischen ihren verschiedenen Bereichen theoretisch ausdrücken.

Aber die methodische Unterscheidung darf nicht bedeuten, dass der Wissenschaftler, der Künstler, der Politiker in der Ausübung ihrerTätigkeit von der Rücksicht auf die Sittlichkeit frei wären, besonders wenn diese Tätigkeit unmittelbare Rückwirkungen auf sittlichem Gebiet hat, wie die Kunst, die Politik und die Wirtschaft. Die rein theoretische Trennung hat keinen Sinn im Leben, das immer eine Synthese ist. Denn das einzige Subjekt jeder Art von Tätigkeit ist der Mensch selbst, dessen freie und bewusste Akte der sittlichen Bewertung nicht entgehen können. Fahren wir fort, das Problem mit weitem und praktischem Blick zu betrachten, der zuweilen selbst bedeutenden Philosophen fehlt! Solche Unterscheidungen und Eigengesetzlichkeiten werden von der gefallenen menschlichen Natur so gedeutet, dass das, was der menschlichen Begierlichkeit, dem Egoismus und der Selbstsucht gelegen kommt, als Gesetz der Kunst, der Politik oder der Wirtschaft hingestellt wird. So wird die theoretische Autonomie gegenüber der Moral in der Praxis zum Aufstand gegen die Moral. Und außerdem zerbricht man die Harmonie, die in den Wissenschaften und Künsten liegt und die auch die Philosophen jener Schule scharfsinnig bemerken, aber für etwas nur Zufälliges halten, während sie doch etwas Wesentliches ist, wenn man sie von ihrem menschlichen Subjekt aus betrachtet und von Gott dem Schöpfer her.

Deshalb haben Unsere Vorgänger und Wir selbst in den Wirren des Krieges und den wechselvollen Ereignissen der Nachkriegszeit nicht aufgehört, darauf zu bestehen, dass die gottgewollte Ordnung das ganze Leben rumhast, nicht ausgenommen das öffentliche Leben in all seinen Erscheinungsformen. Wir sind überzeugt, dass darin keine Einschränkung der wahren menschlichen Freiheit liegt und auch kein Eingriff in die Zuständigkeit des Staates, sondern vielmehr eine Sicherung gegen die Irrtümer und Missbräuche, vor denen die christliche Moral, wenn sie recht angewendet wird, Schutz gewähren kann. Diese Wahrheiten müssen den jungen Menschen gelehrt und ihren Gewissen eingeprägt werden von denjenigen, die in Familie und Schule die Pflicht haben, die Erziehung zu leiten und so den Samen einer besseren Zukunft zu säen.

Schlussermahnung

Das war es, was Wir euch heute sagen wollten, geliebte Söhne und Töchter, die ihr Uns zuhört. Wir haben dabei nicht die Sorge verhehlt, die Unser Herz im Hinblick auf dieses schwerwiegende Problem bewegt, das Gegenwart und Zukunft der Welt und das ewige Schicksal so vieler Seelen berührt. Welcher Trost würde es Uns sein, wären Wir sicher, dass ihr diese Unsere Sorge um die christliche Erziehung der Jugend teilt. Erzieht die Gewissen eurer Kinder mit zäher und beharrlicher Sorge. Erzieht sie zur Furcht wie zur Liebe Gottes. Erzieht sie zur Wahrhaftigkeit. Aber seid zuerst selber wahrhaftig und verbannt aus eurer erzieherischen Tätigkeit alles, was nicht echt und wahr ist. Prägt in die Gewissen der jungen Menschen den richtigen Begriff von Freiheit ein, von der wahren Freiheit, wie sie eines Geschöpfes, das nach Gottes Ebenbild geschaffen wurde, würdig und ihm eigentümlich ist. Sie ist etwas ganz anderes als Auflösung und Zügellosigkeit. Sie ist vielmehr die erprobte Möglichkeit zum Guten, sie ist der Entschluss, es zu wollen und zu vollbringen (vgl. Gal. 5, 13). Sie ist die Herrschaft über die eigenen Fähigkeiten, Instinkte und Erlebnisse. Erzieht sie zum Beten und dazu, dass sie aus den Quellen der Buße und der heiligen Eucharistie das schöpfen, was die Natur nicht geben kann: die Kraft, nicht zu fallen, die Kraft, wieder aufzustehen. Schon als junge Menschen sollen sie innewerden, dass sie ohne die Hilfe dieser übernatürlichen Kräfte weder gute Christen noch einfachhin ehrenhafte Menschen zu sein vermögen, denen ein glückliches Leben beschieden ist. Doch so gerüstet, werden sie nach dem Höchsten streben können, werden sie sich der großen Aufgabe hinzugeben vermögen, deren Erfüllung ihr Ruhm sein wird: Christus in ihrem Leben zu verwirklichen.

Um dieses Ziel zu erreichen, ermahnen Wir alle Unsere geliebten Söhne und Töchter aus der großen Familie der Menschen, untereinander innig vereint zu sein: vereint zur Verteidigung der Wahrheit und zur Ausbreitung des Reiches Christi auf Erden. Man möge jede Trennung vermeiden, jede Missstimmung beseitigen, man möge diesem höheren Gut, diesem höchsten Ideal alle rein persönlichen Ansichten, jede rein persönliche Vorliebe hochherzig zum Opfer bringen, koste es, was es wolle. " Wenn die böse Begierde anderswohin ruft", möge euer christliches Gewissen jede Probe bestehen, damit nicht der Widersacher Gottes "in euerer Mitte über euch lacht" (Dante Par. 5,79. 81). Die Lebenskraft einer gesunden Erziehung möge sich in ihrer Fruchtbarkeit allen Völkern offenbaren, die für die Zukunft ihrer Jugend zittern. Dann wird der Herr auf euch und eure Familien die Fülle seiner Gnaden ausschütten, als deren Unterpfand Wir euch mit väterlicher Liebe den Apostolischen Segen erteilen.

Meine Werkzeuge