Juliana von Lüttich

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Peter Paul Metz: Juliana von Lüttich, Fantasieporträt am Chorgestühl der Pfarrkirche Merazhofen (Leutkirch im Allgäu), 1896

Juliana von Lüttich (* um 1192 in Retinne bei Lüttich; † 5. April 1258 in Fosses (Provinz Namur); auch Juliana von Cornillon) war Chorfrau und Mystikerin. Juliana wurde 1869 heiliggesprochen; ihr Gedenktag ist der 5. April.

Biografie

Schon im Alter von fünf Jahren kam Juliana als Waise ins Leprosenhospital von Lüttich, Mont Cornillon, das von Augustinerinnen und Augustinern betreut wurde. 1206 trat sie in dieses Kloster ein und legte 1207 im Alter von 13 Jahren die Profess ab. 1222 wurde sie Priorin, 1230 Oberin des weiblichen Teils des Konvents. Da der Generalobere des Ordens sie nicht schätzte und die Mitschwestern gegen sie aufhetzte, wurde sie zweimal von ihren Mitschwestern wegen allzu großer Strenge vertrieben; nach dem zweiten Vorfall kehrte sie nicht ins Kloster zurück, sondern lebte als Reklusin.[1]

Seit 1209 hatte die für ihre Heiligkeit bekannte Juliana Visionen, die sich häufig auf das Altarssakrament bezogen. Eine mehrmals wiederkehrende Vision, bei der sie eine unvollständige Mondscheibe sah, deutete sie als Hinweis Christi, dass der Kirche ein Fest zur besonderen Verehrung des Altarssakramentes fehle. Auf die Anregung Julianas hin setzte Papst Urban IV. 1264 das Fronleichnamsfest für die ganze Kirche ein, das bereits seit 1246 im Bistum Lüttich begangen wurde; dazu schrieb Thomas von Aquin mehrere Hymnen zur Verehrung des Altarssakramentes. Sie starb am 5. April 1258 im belgischen Fosses-la-Ville, das Gesicht dem Allerheiligsten zugewandt, das in ihrem Sterbezimmer ausgesetzt war.[2]

Die mystische Schau

Juliana hatte mehrmals eine geheimnisvolle Schau, die Papst Benedikt XVI., der der Heiligen die Katechese in der Generalaudienz am 17. November 2010 widmete, folgendermaßen beschrieb: In dieser Schau „zeigte sich der Mond in seinem vollen Glanz, von einem dunklen Streifen durchquert. Der Herr gab ihr die Bedeutung dieser Erscheinung zu verstehen. Der Mond symbolisierte das Leben der Kirche auf der Erde, die trübe Linie dagegen das Fehlen eines liturgischen Festes, für dessen Einführung Juliana sich tatkräftig einsetzen sollte: ein Fest, bei dem die Gläubigen die Eucharistie anbeten konnten, um den Glauben zu mehren, die Übung der Tugenden zu fördern und die Schmähungen des Allerheiligsten Sakraments zu sühnen.“[3] Erst nach 20 Jahren vertraute Juliana ihre Schau einer Mitschwester und einer Einsiedlerin an und schloss mit ihnen einen „geistlichen Bund“ zur Förderung der Verehrung des Allerheiligsten. Außerdem bat sie den Priester Johannes von Lausanne, die Meinung der Theologen über ihre Schau einzuholen. Der Bischof von Lüttich, Robert von Thorote, ließ daraufhin 1246 erstmals das Fronleichnamsfest in seiner Diözese feiern. In ihrem Kloster stieß Juliana auf Widerstand, so dass sie es 1248 verließ und ihr letztes Lebensjahrzehnt in verschiedenen Klöstern verbrachte, wo sie sich weiter für die Verehrung der Eucharistie einsetzte.

1261 wurde Urban IV. auf den Stuhl Petri gewählt, der Juliana zu Lebzeiten kennengelernt hatte. Als sich zwei Jahre später das Blutwunder von Bolsena ereignete – aus einer geweihten Hostie, die von einem Priester gebrochen wurde, der an der Realpräsenz Christi zweifelte, tropfte Blut –, beschloss er, das Fronleichnamsfest für die ganze Kirche einzuführen. „In der Einsetzungsbulle mit dem Titel Transiturus de hoc mundo“, so Benedikt XVI. in seiner Katechese, „verwies Papst Urban sehr zurückhaltend auch auf Julianas mystische Erfahrungen und bestätigte damit ihre Echtheit. So schreibt er: ,Wenngleich die Eucharistie jeden Tag gefeiert wird, so halten wir dafür, sie wenigstens einmal im Jahr ehrwürdiger und feierlicher zu begehen. Die anderen Dinge nämlich, derer wir gedenken, begreifen wir mit dem Geist und mit dem Verstand, erhalten aber deshalb nicht ihre Realpräsenz. In dieser sakramentalen Gedächtnisfeier Christi dagegen ist Jesus Christus, wenngleich unter anderer Gestalt, in seiner eigenen Substanz bei uns gegenwärtig. Denn bevor er in den Himmel aufgenommen wurde, sagte er: ,Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt (Mt 28, 20)‘.“[4]

Anmerkungen

  1. Barbara Henze: Art. "Juliana v. Lüttich" in: Lexikon für Theologie und Kirche, 3 Aufl., Bd. 5, Sp.1075f.
  2. Aus der Wikipedia, abgerufen am 11. Juni 2017
  3. Katechese von Papst Benedikt über Juliana von Lüttich vom 17. November 2010
  4. 5. April: Die heilige Juliana von Lüttich Die Tagespost am 6. April 2020
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