Hebräische Sprache

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Buch Genesis 1, 1-16 in hebräisch

Hebräisch (עברית) gehört zur kanaanäischen Gruppe des Semitischen. Damit gehört es zur afroasiatischen Sprachfamilie, auch semitisch-hamitische Sprachfamilie genannt. Die Schreibrichtung im hebräischen ist von rechts oben nach links unten.

Die Grundlage späterer Entwicklungsformen des Hebräischen ist die Sprache der Heiligen Schrift, die aus im 1. Jahrtausend vor Christus entstanden Schriften schöpft. Hebräisch wird daher häufig mit dem Begriff „Biblisch-Hebräisch“ gleichgesetzt. In der Bibel wird die Sprache sefat kena'an = Sprache Kanaans (Jes 19,18), genannt. Nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem durch Nebukadnezar II. im Jahre 586 v. Chr. und dem babylonischen Exil kam die dortige Amtssprache Aramäisch unter den Juden in Umlauf, sodass das Hebräische Einflüssen dieser Sprache unterlag.

Nach der Zerstörung des zweiten Jerusalemer Tempels (70 n. Chr.) verlagerte sich das Zentrum jüdischen Lebens von Judäa nach Galiläa und ins Exil. Etwa ab dem Jahre 200 n. Chr. hörte Hebräisch auf, als Alltagssprache zu fungieren. Als Sakralsprache blieb es erhalten, wurde jedoch nicht nur zu liturgischen Zwecken benutzt, sondern auch zur Verschriftlichung von philosophischen, medizinischen, juristischen und poetischen Gedanken, so dass sich das Vokabular des hebräischen im Laufe der Jahrhunderte erweiterte.

Die Erneuerung des Hebräischen als Muttersprache begann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts unter Elieser Ben-Jehuda, der 1889 in Jerusalem den „Rat der hebräischen Sprache“ gründete. So entstand die moderne hebräische Muttersprache (Ivrit), deren Unterschiede zum biblischen Hebräisch im Schriftbild und in der Morphologie äußerst gering, in der Syntax aber erheblich sind.

Geschichte

Man unterscheidet drei sprachliche Entwicklungsstufen: Alt-, Mittel- und Neuhebräisch. Daneben gibt es eine mehr literarisch definierte Einteilung in Bibelhebräisch, Mischnahebräisch, mittelalterliches Hebräisch und modernes Hebräisch. Das Althebräische ist eng mit der Phönizisch-punischen Sprache verwandt. Sprachwissenschaftlich gesehen ist (Alt-)Hebräisch ein südkanaanäischer Dialekt des 1. Jahrtausends vor Christus. Der älteste bekannte hebräische Text ist der auf eine Tontafel niedergeschriebene Gezer-Kalender von 925 v. Chr., der sich heute in einer Istanbuler Ausstellung befindet. Das bekannteste Werk in althebräischer Sprache ist die jüdische Bibel, der Tanach (christlich: das Erste oder Alte Testament). Die ältesten erhaltenen Abschriften biblischer Texte sind die Schriftrollen vom Toten Meer. Sie wurden 1947 in Qumran gefunden und stammen aus der Zeit zwischen dem 3. Jahrhundert vor Christus und dem späten 1. Jahrhundert nach Christus.

Mittelhebräisch ist die Sprache spätbiblischer Texte sowie hebräischer Teile der rabbinischen Literatur und der mittelalterlichen jüdischen Literatur, der Werke der jüdischen Gelehrten insbesondere Palästinas und Babyloniens nach der Zerstörung des zweiten Tempels 70 n. Chr. Geprägt wurde sie maßgeblich vom hebräisch-aramäischen Diglossieverhältnis, das vom Babylonischen Exil bis zum Ende der rabbinischen Epoche bestimmend war. Für fast zwei Jahrtausende war Hebräisch keine Muttersprache mehr, sondern zumeist Zweit- oder Drittsprache, in der Regel von gebildeten jüdischen Männern, in allen Teilen der Diaspora. In der traditionellen jüdischen Ausbildung wurde die Tora, Mischna, Gemara und Rabbinische Literatur im hebräischen gelesen. Der wichtigste Beitrag zum Erhalt des biblischen Hebräisch stammt von den Masoreten (7. bis 10. n. Chr.)

Das mittelalterliche Hebräisch, das eine reiche Literatur aufzuweisen hat, und das Hebräische der Neuzeit bilden zusammen das Neuhebräische. Neuerungen brachte die jüdische Aufklärung im 18./19. Jahrhundert. Einen weiteren Neuanfang, der schließlich zur Reetablierung als muttersprachlich weitergegebenes Idiom führte, bewirkten die Zionisten vom Ende des 19. Jahrhunderts an. Das infolge der Aufklärung und des Zionismus entstandene israelische Hebräisch ist das Ergebnis einer Wiederbelebung des Entwicklungsstandes der biblischen Sprache.

Literatur

  • Frank Matheus, Ein jegliches hat seine Zeit. Tempus und Aspekt im Biblisch-Hebräischen Verbalsystem, KUSATU.B 1, 2011
  • Martin Krause, Michael Pitsch (Hrsg.), Martin Rösel (Hrsg.): Biblisch-hebräische Unterrichtsgrammatik. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2008, 2. Auflage 2010. ISBN 978-3-11-019028-1.
  • PONS Kompaktwörterbuch Althebräisch. Stuttgart 2006
  • Frank Matheus, Einführung in das Biblische Hebräisch (I Studiengrammatik, II Studienbuch für das Gruppen- und Selbststudium). Münster 1997.
  • Wilhelm Gesenius: Geschichte der hebräischen Sprache und Schrift. Olms 1973.
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