Gebhard Fürst

Aus Kathpedia
Wechseln zu: Navigation, Suche

Gebhard Fürst (Dr. theol.; * 2. Dezember 1948 in Bietigheim) ist seit 7. Juli 2000 elfter Bischof im Bistum Rottenburg-Stuttgart. Er ist Vorsitzenden der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz und Mitglied der Glaubenskommission.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Gebhard Fürst machte 1969 das Abitur am Mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium Bietigheim. 1969 begann er das Studium des Griechischen und Hebräischen am Collegium Ambrosianum in Stuttgart und 1970 das Studium der Theologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen

Von 1972-1973 war im Rahmen des Studium der Theologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. 1975 folgte die erste Theologische Hauptprüfung und der Eintritt in das Priesterseminar der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Rottenburg.

Am 13. Dezember 1975 folgte die Weihe zum Diakon und am 27. März 1977 die Priesterweihe durch Bischof Dr. Georg Moser in der Basilika St. Vitus in Ellwangen/Jagst.

1977 wurde er Vikar in Stuttgart St. Josef und 1979 Repetent am Bischöflichen Theologenkonvikt der Diözese Rottenburg-Stuttgart Wilhelmsstift in Tübingen und Doktorand von Prof. Dr. Max Seckler am Lehrstuhl für Fundamentaltheologie der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen

1983 wurde er Kommissarischer Direktor des Theologenkonviktes Wilhelmsstift in Tübingen. Von 1983-1985 bekamm Fürst Lehraufträge im Fach Katholische Fundamentaltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen.

Von 1985 bis 1986 war er zum Abschluss der Dissertation und Seelsorgeauftrag in der Pfarrei Heilig Geist in Balingen freigestellt. Am 1. Juni 1986 wurde er Direktor der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart und Mitglied der Sitzung des Bischöflichen Ordinariates.

Am 17. Januar 1987 folgte die Promotion im Fach Fundamentaltheologie mit der Arbeit "Sprache als metaphorischer Prozeß. Johann Gottfried Herders hermeneutische Theorie der Sprache".

1993 Vorsitzender des Leiterkreises der Katholischen Akademien in Deutschland. 26. Januar 1999 Ernennung zum Päpstlichen Ehrenkaplan ("Monsignore").

Bischof

Am 7. Juli 2000 wurde Fürst von Papst Johannes Paul II. zum 11. Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart ernannt. Am 17. September 2000 folgte die Bischofsweihe im Dom zu Rottenburg durch den Freiburger Erzbischof Oskar Saier. Seit dem Jahr 2000 bis zum Jahr 2016 war er Geistlicher Assistent des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.[1]

Von 2001 bis 2005 war er auch Mitglied des Nationaler Ethikrat der Bundesregierung. Innerhalb der deutschen Bischofskonferenz ist er Mitglied der Glaubenskommission und war Vorsitzender der Publizistischen Kommission von 2006-2021. Unter Fürsts Vorsitz wurde unter anderem das Katholische Medienhaus in Bonn gegründet, in dem Katholisch.de, die KNA und weitere katholische Medieneinrichtungen gemeinsam ihren Sitz haben. Außerdem ist der Bischof Juryvorsitzender des seit 2003 jährlich vergebenen Katholischen Medienpreises.[2]

Weihe der Diözese an die Gottesmutter

Diese Weihe des Bistums an die Gottesmutter, welche Bischof Johannes Baptista Sproll am 3. Oktober 1943 vollzog, erneuerte Bischof Gebhard Fürst am 3. Oktober 2003 (vgl. Gotteslob, Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart 1975: Nr. 953; 2013: Nr. 933)

Positionen

Ein "Frauendiakonat"

  • Im Jahr 1997 verantwortete Gebhard Fürst als Direktor der Akademie der Diözese in Hohenheim einen internationalen theologischen Fachkongress zum Diakonat der Frau. Im März 2017[3] und im Oktober 2019 plädierte er als Bischof für ein Diakonat der Frau als "Zeichen der Zeit". Den Einsatz von sogenannten „viri probati“ (verheiratete, bewährte Männer) im priesterlichen Dienst halte er im Vergleich zur Diakonin für „nachgeordnet“.[4] Im Januar 2020 meinte er: "Das ist möglich". Er werde sich beim synodalen Weg für die Diakoninnenweihe einsetzen.[5]

Bischof Fürst versicherte Ende Mai 2021, sich weiterhin für die Einführung des Diakonats für Frauen einzusetzen. Allerdings gehe hier nichts ohne das Einverständnis der Weltkirche.[6]

Wo Priester und Laien gemeinsam Gemeinde leiten

Bischof Gebhard Fürst will auch nach der Instruktion Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche vom 29. Juni 2020 am sogenannten "Rottenburger Modell" festhalten. Den Weg der Mitwirkung und Mitverantwortung von Laien bei der Führung von Diözese, Dekanaten und Kirchengemeinden wolle man weiter beschreiten. "Das Rottenburger Modell (siehe Anmerkung: [7]) steht nicht zur Disposition. Die darin festgeschriebene starke Beteiligung der Laien in all unseren Gremien bis zum Diözesanrat, der bei uns auch das Haushaltsrecht hat, ist ein großer Vorteil für die Ortskirche – und sie ist eine klare Konsequenz aus dem Zweiten Vatikanischen Konzil", so Fürst. Das Schreiben aus Rom habe ihn deshalb ebenso überrascht wie andere seiner Amtskollegen in Deutschland, sagte der Bischof. In der heutigen Zeit gebe es keine Alternative zum Prinzip des Miteinanders, so Fürst weiter. "Das hat sich bei uns in der Diözese Rottenburg-Stuttgart in 50 Jahren sehr gut bewährt." Die gemeinsame Leitung der Kirchengemeinden durch Laien und Kleriker sieht der Bischof vollauf im Einklang mit dem Kirchenrecht. Der im Frühjahr 2020 gemeinsam von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) eingeschlagene Synodale Weg sei die richtige Antwort auf die großen Herausforderungen, vor denen die katholische Kirche stehe.[8]

Gemeindeleitung durch Pfarrbeauftragte

Im Kirchlichen Amtsblatt der Diözese vom 15. September 2020 wurde das neu in Kraft gesetzte "Statut für die Leitung von Kirchengemeinden nach can. 517 § 2 CIC" veröffentlicht. Darin wird geregelt, wie statt eines Pfarrers Nicht-Priester als sogenannte "Pfarrbeauftragte" bestellt werden können. "Bischof Gebhard Fürst möchte durch das Statut bewusst die Übernahme von Leitungsaufgaben durch qualifizierte Frauen und Männer in den Kirchengemeinden fördern". Das auf 4. August datierte Statut gilt seit dem 1. September.[9]

Zur Segnung der Verbindung gleichgeschlechtlicher Paare

Den negativen Entscheid der Glaubenskongregation vom 22. Februar 2021 zur Segnung der Verbindung gleichgeschlechtlicher Paare, will Bischof Gebhard Fürst versöhnlich lösen: "Ich hoffe und setze mich dafür ein, dass wir eine Regelung finden, die dem Respekt vor den Menschen in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und der Würde der einzelnen Personen gerecht wird und die gleichzeitig dem christlichen Verständnis von Ehe und Familie als Leitbild für unsere Kirche gerecht wird". Die Liebe zu einem Partner beziehungsweise einer Partnerin sei für die meisten Menschen der Schlüssel zu einem glücklichen Leben, so Fürst weiter. Aus diesem Grund sei für die katholische Kirche die Ehe als Verbindung von Frau und Mann und die daraus resultierende Familie besonders schützenswert. "Deshalb ist die Ehe ein Sakrament", betont der Bischof. Darüber hinaus gebe es Menschen in dauerhaften homosexuellen Partnerschaften, die ihre Liebe zueinander als "segensreich" erfuhren. Auch diesen gebühre die Achtung und Zuwendung der Kirche. "Ich wende mich entschieden gegen jegliche Diskriminierung!".[10]

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart will gleichgeschlechtliche Paare trotz des Verbots aus Rom weiter segnen. Weihbischof Matthäus Karrer sagte der „Schwäbischen Zeitung“ am 16. April 2021: „Segnungen gehören in der Seelsorge zum pastoralen Alltag.“ Diese Praxis werde durch das Papier aus Rom zumindest in der württembergischen Diözese nicht infrage gestellt. Es gebe auch keine Strafen: „Wir sanktionieren keine Segnungen.“ Gleichwohl stellte er auch klar: „Segnungen für homosexuelle Paare sind kein "Ja" der Kirche zur Homo-Ehe.“ Es gehe um die Bitte, dass der Segen Gottes für sich liebende Menschen wirken möge: „Nicht weniger, aber auch nicht mehr.“[11]

Durch Schweigen gebilligt ?

Anlässlich des ersten „Frauenforums“ der Diözese Rottenburg-Stuttgart, das am 17. April 2021 mit 180 Teilnehmern online veranstaltet wurde, sagte die Tübinger Dogmatik-Professorin Johanna Rahner in ihrem Vortrag zum Thema „Macht- und Gewaltenteilung“, in der Kirche müsse über die „Diskriminierung von Frauen“ gesprochen werden und „es sind nicht die Frauen, die daran etwas ändern können“. Ihren Redebeitrag, den sie wohl im Beisein von Bischof Fürst hielt, schloss sie mit der Aufforderung Flagge zu zeigen und „politisch aktiv“ gegen die Diskriminierung von Frauen einzutreten. „Wer das nicht tut und dazu schweigt ist ein Rassist!“ und spricht von "Verpflichtung zum Widerstand". Und das offenbar im Beisein eines Bischofs und, so legen es zumindest die Berichte auf der Webseite der Diözese und auch bei katholisch.de nahe, ohne dessen Widerspruch.[12]

Wort-Gottes-Leiter

Bischof Fürst hat für sein Bistum 12 000 Wort-Gottes-Leiter ausbilden lassen (Katholisches Sonntagsblatt). Das sind pro Pfarrei 12 in seinem Bistum, bei einem Sonntäglichen Messbesuch von ungefähr 40 Personen.

Mit Vollgas zu einer protestantischen Laienkirche

Gebhard Fürst, prüft Ende Mai 2021, ob eine Möglichkeit besteht, dass das Sakrament der Taufe auch durch pastorale Laien gespendet werden kann. Auch stehe in Überlegung, die Gemeindeleitung durch Laien auszubauen und ihre Position als pastorale Ansprechpartner vor Ort sowie den Anteil weiblicher Führungskräfte in der Diözesanverwaltung gezielt zu erhöhen. Zudem will sich der Bischof weiterhin für das Diakonat der Frau einsetzen. Den Teilnehmerinnen eines diözesanen Frauenforums schrieb er dies in einem Brief und formulierte, er habe „erneut gespürt, welch tiefen Schmerz viele Frauen empfinden, weil sie sich in ihrer Berufung nicht ernst genommen fühlen“, Parallel bat er um Verzeihung, wenn er selbst diesen Eindruck erweckt habe. „Ich habe mir die Beiträge des Frauenforums zu Herzen genommen, ebenso wie die Erwartungen der Aktion Maria 2.0.“ Er habe bereits eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die kirchenrechtlich prüft, wie und unter welchen Bedingungen nicht geweihte pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Taufe spenden können. Ein weiteres Gremium soll in der Folge ein konkretes pastorales Konzept der Taufe durch Laien erarbeiten, so die Darstellung der Diözese auf ihrer Homepage.[13]

Weblinks


Vorgänger
Walter Kasper
† Bischof von Rottenburg-Stuttgart
Seit 2000
Nachfolger
---

Anmerkungen

  1. Stabwechsel beim ZdK: Heße folgt Fürst Katholisch.de am 15. November 2016.
  2. DBK: Bischof Fürst gibt Vorsitz von Publizistischer Kommission ab Katholisch.de am 16. September 2021
  3. Bischof Fürst plädiert für ein Diakonat der Frau Kath.net am 28. März 2017
  4. Stimmen: Bischof Fürst spricht sich für Frauendiakonat aus Domradio am 4. Oktober 2019
  5. Bischof Fürst sieht zunehmende populistische Stimmung. Sorge um die Demokratie Domradio am 7. Januar 2020; Er werde sich weiter für den Diakonat der Frau einsetzen: hier oder Bischof Fastenhirtenbrief 2020 Endfassung bei soundcloud.com
  6. Rottenburger Bischof Fürst prüft Taufspendung und Gemeindeleitung durch Laien Kath.net am 29. Mai 2021
  7. Wo Priester und Laien gemeinsam Gemeinde leiten Katholisch.de 15. April 2018
  8. Auch nach Vatikan-Instruktion: Bischof Fürst hält an Laienleitung fest Katholisch.de am 23. Juli 2020
  9. Rottenburg-Stuttgart regelt Beteiligung von Laien an Gemeindeleitung Katholisch.de am 17. September 2020
  10. Auch Schönborn ablehnend zu Segnungsverbot Kath.net am 23. Märze 2021
  11. Segnung für homosexuelle Paare? Südwest-Bistümer uneins www.tagblatt.de am 16. April 2021
  12. Rahner: Nur "Rassisten" gegen Gleichberechtigung von Frauen in Kirche Katholisch.de am 17. April 2021; „So nicht, Frau Professor!“ – „Zeit, dass Rom einige Bischöfe an ihr Weiheversprechen erinnert“ Kath.net am 22. April 2021; Bischof Oster: 'Katholisch ist das, was das Lehramt sagt' Kath.net am 20. April 2021
  13. Rottenburger Bischof Fürst prüft Taufspendung und Gemeindeleitung durch Laien Kath.net am 29. Mai 2021
Meine Werkzeuge