Brief vom 4. Juli 1979: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Orientierungen für den Gebrauch  psychologischer Kompetenzen bei der Auswahl und der [[Priesterausbildung|Ausbildung]] der [[Alumne|Priesteramtskandidaten]]'''  ist das Thema eines Schreiben der [[Kongregation für das katholische Bildungswesen]]  vom 30. Oktober 2008
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==Der Text des Schreibens==
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[[Orientierungen vom 30. Oktober 2008 (Wortlaut)]]
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Die Kongregation für das katholische Bildungswesen fordert in dem Schreiben die [[Diözese]]n und [[Ordensgemeinschaft]]en in aller Welt auf, zur Sorgfalt bei der Auswahl und Ausbildung ihrer Priesteramtskandidaten. Dafür seien der Ortsbischof und der Regens des Priesterseminars zuständig. Sie müssten darauf achten, dass die spirituelle und moralische Eignung der Kandidaten durch eine menschliche, psychische und emotionale Ausgeglichenheit gestützt werde. Dazu könnten auch geeignete Psychologen als Berater herangezogen werden. Die geistliche Begleitung dürfe allerdings in keiner Weise durch Formen psychologischer Analyse ersetzt werden. Die herangezogenen Psychologen müssten von einem Menschenbild geleitet sein, das die christliche Auffassung vom Menschen, der Sexualität, der Priesterberufung und vom [[Zölibat]] teile. Falls eine psychologische Therapie angezeigt sei, solle sie vor der Aufnahme ins [[Seminar]] oder die Ausbildungseimichtung erfolgen. Ein Kandidat dürfe nicht in das [[Priesterseminar]] aufgenommen oder zur [[Weihe]] zugelassen werden, wenn er trotz eigener Bemühungen sowie mit psychologischer Unterstützung weiterhin schwere menschliche Unreifen aufweise. Dazu gehörten starke emotionale Abhängigkeiten, überzogene charakterliche Kühle, fehlende Aufrichtigkeit, unsichere sexuelle Identität oder tiefsitzende [[Homosexualität|homosexuelle]] Tendenzen. Der [[Priester]] muss mit der Gnade Christi seine Persönlichkeit so formen, dass er »Brücke zur Begegnung mit Jesus Christus« sein kann.
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*[http://www.kathtube.com/player.php?id=8390  Das Schreiben als Worddokument bei Kathtube]
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Version vom 14. Februar 2009, 20:28 Uhr

Brief
der Kongregation für das katholische Bildungswesen
unseres Heiligen Vaters
Johannes Paul II.
an die Bischöfe und Generaloberen der Orden
zur Philosophie in der Priesterausbildung
4. Juli 1979
Quelle: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 9 (Anhang)

Allgemeiner Hinweis: Die in der Kathpedia veröffentlichen Lehramstexte, dürfen nicht als offizielle Übersetzungen betrachtet werden, selbst wenn die Quellangaben dies vermuten ließen. Nur die Texte auf der Vatikanseite [1] können als offiziell angesehen werden (Schreiben der Libreria Editrice Vaticana vom 21. Januar 2008).


Vor hundert Jahren, am 4. August 1879, veröffentlichte Papst Leo XIII. die Enzyklika »Aetemi Patris«, die - worauf im Titel ausdrücklich hingewiesen wurde - der » Wiederherstellung der christlichen Philosophie im Geiste des heiligen Thomas von Aquin, des Doctor Angelicus, in den katholischen Schulen« gewidmet war. Dieser Hinweis, den der Papst selbst dem Text vorangesetzt hatte, stellte, während er Inhalt und Zielsetzung zum Ausdruck brachte, zugleich ein Programm dar.

Es handelte sich in der Tat um einen sehr bedeutsamen Schritt, um eine bewusste und wohlüberlegte kulturelle Wahl, die tiefen Einfluss auf die gesamte Bildungstätigkeit der kommenden Generationen nehmen sollte. Als Leo XIII. im Jahre 1903, anlässlich des 25jährigen Jubiläums seines Pontifikats, die Äußerungen seines Lehramtes aufzählte, erschien die erwähnte Enzyklika auf dem ersten Platz. Das war eine ganz klare Priorität, eine Priorität nicht so sehr in zeitlicher Hinsicht als vielmehr der Absicht und dem Inhalt nach. Für den genannten Papst war es tatsächlich so, dass »die großen, später herausgegebenen Enzykliken jene erste geistige Reform, die die notwendige Vorbedingung für alle weiteren war, als bereits verwirklicht annahmen«. Die einfachen, aber treffenden Worte stammen von Etienne Gilson, einem Philosophen, dessen entschlossene Zustimmung zu den Lehren Leos XIII. und zu seiner Enzyklika sehr wohlbekannt ist.

Der Widerhall, den dieses Dokument in der gesamten katholischen Welt. auslöste, war vielfältig und von großer Tragweite. Und dieses Echo war, auch wenn sich verschiedene Missklänge darunter gemengt hatten, noch beim Zweiten Vatikanischen Konzil vorhanden und lässt sich noch immer, mit Abtönungen und unterschiedlicher Akzentsetzung, in verschiedenen späteren Dokumenten der Päpste und des Heiligen Stuhles ausmachen. Dank dieser Enzyklika ist der heilige Thomas von Aquin unserem Bewusstsein noch immer gegenwärtig. Wenn die Päpste und andere verantwortliche Autoritäten der Kirche bei verschiedenen Anlässen gewohnter Weise auf die Notwendigkeit solider metaphysischer Prinzipien in der philosophischen Bildung oder auf die Forderungen einer größeren lehrmäßigen Sicherheit in der Theologie hinweisen, so bekunden sie damit eine direkte oder zumindest eine indirekte und zurückliegende Verbundenheit mit jenem wichtigen Dokument.

In diesem Zusammenhang fällt es nicht schwer, in den Lehräußerungen eine klare Kontinuität zu entdecken, die von jenem denkwürdigen Rundbrief des Jahres 1879 über die verschiedenen Abschnitte unseres Jahrhunderts bis herauf zum Pontifikat Pauls VI. führt. Allen sind die zahlreichen Lehräußerungen dieses großen Papstes mit ihren häufigen Hinweisen auf das Denken des Doctor Angelicus bekannt. Besonderes Gewicht erlangten Interventionen dieser Art vor allem anlässlich des 700. Todestages des heiligen Thomas (Schreiben »Lumen Ecclesiae«, vom 20. Nov. 1974) und des aus diesem Anlass abgehaltenen Internationalen Thomas-Kongresses.

Der vom Zweiten Vatikanischen Konzil, von den Päpsten - und in diesen Tagen von der Apostolischen Konstitution »Sapientia Christiana« Johannes Pauls II. - angezeigte Weg ist ganz offensichtlich der Weg, dem zu folgen auch diese Kongregation stets als ihre Pflicht angesehen hat. Das gilt vor allem für jenen Bereich ihrer Verantwortlichkeiten, welche die philosophische Bildung der künftigen Priester betreffen. Es handelt sich hier um einen äußerst wichtigen Bereich. Er umfasst zahlreiche Aufgaben, die von diesem Dikasterium stets bedacht worden sind (vgl. »Ratio fundamentalis«, cap. XI; Rundschreiben vom 20. Jan. 1972; Dokument über die theologische Ausbildung der künftigen Priester, vom 22. Febr. 1976, NNr. 34-41, 48-53, 129), die aber gerade in dieser nachkonziliaren Zeit besonders heikel und schwierig geworden sind. Es fehlt tatsächlich nicht an mancherlei Anzeichen von Unsicherheit und Krise. Die verschiedenen Schwierigkeiten auf diesem Gebiet, die zum Teil vom allgemeinen Kulturklima und zum Teil von den nicht gerade blühenden Bedingungen innerhalb der Philosophie selbst verursacht werden, bewirken, dass die offiziellen Bestimmungen der Kirche in diesem Zusammenhang noch nicht überall und vollständig angewandt werden.

Die Arbeit, die in diesem Sektor die Institute für die Priesterausbildung erwartet, ist gewaltig und bedarf in irgendeiner Weise der Unterstützung. Aus diesem Grund und anlässlich des hundertsten Jahrestages der Veröffentlichung der Enzyklika »Aeterni Patris« hat es diese Kongregation für nützlich erachtet, die Aufmerksamkeit der hochwürdigsten Herrn Bischöfe und der hochwürdigen Patres Generaloberen der religiösen Orden wieder auf das erwähnte Rundschreiben vom 20. Januar 1972 zu lenken. Zweck dieses Schreibens war es gewesen, einige gewichtige Gründe hervorzuheben, die heute eine solide philosophische Ausbildung der künftigen Priester vordringlich machen; ferner deren Hauptinhalte zu umschreiben sowie auch die zeitgemäße Suche nach geeigneten Mitteln und Methoden anzuregen und in entsprechender Weise zu lenken, um diesem Lehrfach wieder jenen echten Inhalt und jene Kraft zurückzugeben, wie sie die pastoralen Bedürfnisse unserer Zeit erfordern.

Das Kultur- und Bildungsprogramm, das in diesem Dokument von uns erläutert wurde, ist umfassend und sehr zeitgemäß. Es soll in vollem Ernst verpflichtend sein für die Seminare, die Studienhäuser der Ordensleute und nicht zuletzt auch für die kirchlichen Fakultäten der Theologie und Philosophie, was erst kürzlich von Papst Johannes Paul II. in der Apostolischen Konstitution »Sapientia Christiana« (vgl. NNr. 72, 75; ord. NNr. 51, 59) wieder bestätigt wurde.

Möge Gott es geben, dass alle diese Anregungen und Aufforderungen, dass Niveau der philosophischen Ausbildung der künftigen Priester zu heben, überall eifrige und großzügige Annahme finden und in reichem Maße die wohltuenden Wirkungen hervorrufen, die man davon, sei es für einen größeren Fortschritt ihrer theologischen Vorbereitung, sei es für ihre spätere Pastoraltätigkeit insgesamt, mit Recht erwartet.

Ich nehme die Gelegenheit wahr, um Ihnen die Gefühle meiner besonderen Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen, und verbleibe mit vorzüglicher Hochachtung

GABRIEL-MARIE Kardinal GARRONE
Rom, den 4. Juli 1979

Weblinks

Orientierungen für den Gebrauch psychologischer Kompetenzen bei der Auswahl und der Ausbildung der Priesteramtskandidaten ist das Thema eines Schreiben der Kongregation für das katholische Bildungswesen vom 30. Oktober 2008

Der Text des Schreibens

Orientierungen vom 30. Oktober 2008 (Wortlaut)

Die Kongregation für das katholische Bildungswesen fordert in dem Schreiben die Diözesen und Ordensgemeinschaften in aller Welt auf, zur Sorgfalt bei der Auswahl und Ausbildung ihrer Priesteramtskandidaten. Dafür seien der Ortsbischof und der Regens des Priesterseminars zuständig. Sie müssten darauf achten, dass die spirituelle und moralische Eignung der Kandidaten durch eine menschliche, psychische und emotionale Ausgeglichenheit gestützt werde. Dazu könnten auch geeignete Psychologen als Berater herangezogen werden. Die geistliche Begleitung dürfe allerdings in keiner Weise durch Formen psychologischer Analyse ersetzt werden. Die herangezogenen Psychologen müssten von einem Menschenbild geleitet sein, das die christliche Auffassung vom Menschen, der Sexualität, der Priesterberufung und vom Zölibat teile. Falls eine psychologische Therapie angezeigt sei, solle sie vor der Aufnahme ins Seminar oder die Ausbildungseimichtung erfolgen. Ein Kandidat dürfe nicht in das Priesterseminar aufgenommen oder zur Weihe zugelassen werden, wenn er trotz eigener Bemühungen sowie mit psychologischer Unterstützung weiterhin schwere menschliche Unreifen aufweise. Dazu gehörten starke emotionale Abhängigkeiten, überzogene charakterliche Kühle, fehlende Aufrichtigkeit, unsichere sexuelle Identität oder tiefsitzende homosexuelle Tendenzen. Der Priester muss mit der Gnade Christi seine Persönlichkeit so formen, dass er »Brücke zur Begegnung mit Jesus Christus« sein kann.

Weblinks